Feb
27
2009
2

Ein Beitrag zur inoffiziellen Wiener Ferienstatistik

Warum die Bundeshauptstädter im eigenen Ausland viel essen und mehr

Zu jeglichen Ferienenden häufen sich ja immer die Tourismus-Statistiken, wer wohin wielange wieviel und wie Österreich davon perfekt proftiert hat. Die weitaus interessantere und dementsprechend inoffizielle Statistik habe ich bei einem Hüttenwirt aufgeschnappt: In der Wiener Ferienwoche stieg der Umsatz bei Essen jeglicher Art um zehn Prozent.

Liebe Zungen behaupten, dass die viele gute Luft auf den Bergen den Wiener Hunger fabriziert. Böse Zungen wiederum, dass die Bundeshauptstädter von so viel Sport so geschlaucht sind, dass sie doppelte Portionen essen müssen.

Assimiliert von Kärtnern und Steirern

Die bösen Zungen (vulgo Restösterreich) fühlen sich durch diese Nachricht in ihrem Urteil über den unguten und peinlichen “Mundl” bestätigt. Obwohl es den echten Wiener in dem Sinne kaum mehr gibt, weil er vor langer Zeit von den heranströmenden Steirer- und Kärtnerstudentenschaaren vertrieben bzw. assimiliert wurde.

Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig man sich außerhalb der Bundeshauptstadt über diese Spezies “Wiener” freut. Bestimmt verhalten sie sich oft auch so – ich weiß es nicht, weil ich in den zwei Jahren Wien meines Wissens keinen einzigen reinrassigen “Mundl” getroffen habe. Dennoch muss man den Wirten glauben, die nach den diesjährigen Semesterferien sagen: „Ich weiß nicht warum, aber diese Woche macht mich fertiger als alle anderen.“

Mischwesen de luxe

Vielleicht handelt es sich dabei aber auch um eine heimtückische Mischung aus dem grantigen “Mundl”, dem leutseligen Steirer und dem schwer traditionellen Kärntner (um einmal alle Stereotypen zu vereinen), die sie zu dieser fatalen Aussage verleitet. Man stelle sich das vor seinem geistigen Auge vor:  Da sitzt er also in der Hütte, trägt Adidas-Sneaker, eine Thermo-Hose und einen Lodenmantel und beschwert sich beim Wirt: Die Leut sind zu freundlich, die Musik zu wenig stoakoglerisch, das Bier zu tschechisch und die Portionen zu klein. Wer wäre da nicht fertig?

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Written by Ronni in: Mitgehört | Schlagwörter:, ,
Feb
25
2009
7

Web2.0: Gefühle wo hin man schaut

Die kalte ITler-Welt ist um ein paar Gefühlsapplikationen reicher, was ein handfester Grund ist, auch heute mit Webtipps weiterzumachen:

I feel London

Da ich diese Woche in Berlin weile, tut es mir besonders leid, dass es diese spezielle Landkarte im Moment nur für London, New York und Toronto gibt. Statt lang und breit zu überlegen, was man sich denn so in einer Stadt anschauen sollte, lässt man einfach seine Laune über das Sightseeing-Programm entscheiden.

Je nachdem, ob man unartig (warum das wohl als erstes steht), verkatert, dynamisch, romantisch, anspruchsvoll, gemütlich, häsenmäßig, männlich oder bankrott ist. Geniale Idee!

travel

Edit: Habe heute Post von IfeelLondon bekommen und die Nachrichten sind gut:

Hey Veronika, We’re working on www.ifeelearth.com. This site will let anyone start a new city in minutes :) So I Feel Vienna is not far away! Andy

I did it

Für Menschen, die ein dringendes Bedürfnis haben, ihr Leben zu kategorisieren um nichts zu versäumen, muss sich auf Diddit – (abgeleitet von “I did it”) registrieren. Hier kann man eine eigene Lebens-to-do-Liste anlegen und fein säuberlich alles abhaken, was man schon erlebt hat.

Wer eher weniger Phantasie in der Gestaltung hat, der kann sich  den unzähligen Listen wie 100+ Things to Eat Before You Die, Attack of the Psycho Ex!: A List of Horrors oder (ein bisschen sehr strange) How many of these Concentration camps have you visited anschließen und die Competition mit lustigen Amis aufnehmen.

diddit

Fu** my life

Wer sich einfach nur miserabel fühlt, dem sei die Website “My life sucks but I don’t give a fuck” ans Herz gelegt. Dort wird Platz gemacht für jene Alltagssituationen, die einem den ganzen Tag so richtig vermiesen können, aber anderen passiert sind .

Die einzige Bedindung ist: Die Kurzgeschichte muss mit „Today“ beginnen und mit „FML“ (also “Fu** my life”) enden. Jeder kann nach deren Lektüre entscheiden: „I agree, your life is f***ed“ oder „you deserved that one“. Hier eine kleine Auswahl:

Today, I went to Macy’s to go shopping, I was wearing a shirt and tie and dressed nicely. Customers came to for questions, but I just ignored them. Minutes later, thinking I was an employee, the manager came and yelled at me, and threatened to fire me.

Today, a child sitting next to me on the bus pointed at me and asked: “Mommy, when it’s not a man and it’s not a woman, what is it then?”

u.a. via Spreeblick und Hannes Treichl

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Feb
23
2009
2

“The Kluminator” rettet die New Yorker Fashion Week

Wer ob des Endes der New Yorker Fashion Week noch trauert, dem sei hiermit ein kleines Aufmunterungsvideo mitgegeben.

Heidi Klum “Kluminator” und Coco Rocha “Sassy Superhero” schwärmen aus, um die heiligen Zelte  vor dem gescheiterten Designer “Dr. Faux Pas” zu retten. Ziemlich dumm und ziemlich lustig! Anbei die erste Folge von “Spikedheel”, alle anderen plus Trailer sind hier zu finden.

via Coco Rocha

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Feb
20
2009
5

Facebook-Kunst

Perfektes Beispiel für die Nutzung von Social Networks in der Kunst-PR

Unzählige Artikel wurden bereits darüber geschrieben, wie denn das ominöse Web2.0 für seine Arbeit nutzbar gemacht werden kann. Bisher habe ich vor allem im Kunst- und Kulturbereich sehr wenig Output dieser Tipps und Tricks gesehen. Umso besser hat mir dieses Lehrbeispiel für Kunst-PR auf Facebook gefallen:

facebook_paint

Die Idee ist einfach und genial: Matt Held, ein Maler aus Brooklyn (woher sonst!), macht aus Facebook-Profilfotos Gemälde. 200 sollen es an der Zahl sein, die dann in einer großen Ausstellung gezeigt werden. Als Model kommt jeder in Frage, der sich in seine Facebook-Gruppe einträgt und den Herrn als Facebook-Freund added.

Die Idee dahinter:

With the development of social networking sites, I’ve developed an interest in how people take simple or complex snapshots of themselves, post them to their page as a representation of who they are and what they want people to see. It is an interesting form of control and, in a way, self-preservation. [...] Take a collection of these portraits and put them into the context of a gallery space or like setting, and you see a community of individuals—their likeness elevated and memorialized like the original commissioners of portrait painting; the rich and powerful—displayed as a portrait’s original intent: expression of an individuals’ character and moral quality.

Was haben die User davon:

We will send you the JPEG of it when/if it gets completed. [...] You can use it as your profile image for facebook, twitter, tumblr, flickr, myspace. [...] The finished, physical piece will remain as property of the artist.

Den Anstoß zum Erfolg dieser Aktion – wie könnte es anders sein – haben Familie und Freunde des Künstlers gegeben. Wie Held auf seinem Blog ausführt, waren sie die ersten, die der Facebook-Gruppe im Oktober 2008 beigetreten sind. Im Jänner konnte “I’ll have my Facebook portrait painted by Matt Held” bereits 165 Mitglieder verbuchen, jetzt im Februar sind es plötzlich mehr als 1.500 Portraitwillige.

Matt Held schafft mit seinem Projekt drei Dinge auf einen Schlag: Er macht sich und seine Arbeit einem breiten Publikum bekannt, stellt ein interessantes Kunstprojekt auf die Beine und schafft es, die Web2.0-User mit dem richtigen “Treat” anzusprechen – ein auffallendes und besonderes Profilfoto. Alles in allem für mich ein Musterbeispiel für Kunst-PR im Web.

via Spreeblick

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Feb
19
2009
2

Erkenntnisse einer Spammerin

Wie ich zum Spammer wurde und daraus – fast katholisch – etwas Positives gewinnen konnte

Während ich mich am Dienstagabend wieder einmal ob einer Literaturverfilmung zwei Stunden lang im Kino grün und blau geärgert habe (der Mensch lernt wirklich nicht aus Vorhergegangenem, da haben wir es wieder) wurde mit meinem Gmail-Account Schabernack der eher unerfreulichen Sorte getrieben.

Trotz hauseigenem IT-Consultant weiß ich nicht, wie diese Damen oder Herren mein als “stark” eingeordnetes Passwort aus Sonderzeichen, Buchstaben und Zahlen geknackt haben. Zumindest habe ich an alle meine rund 300 Kontakte in diesem Account keine Werbung für Verlängerndes unter dem Hüftbereich gemacht, sondern für ein Elektronik-Verkaufsportal. Danke an dieser Stelle an die werten Spammer.

Anruf, Twitter-DM und jede Menge Mails

Neben der Lehre, meine gesamten Geschäftsontakte nicht mehr online zu speichern, hat diese Episode durchaus positive Nebeneffekte. Was da als Response zurückgekommen ist, war eine wundervolle Studie meiner Kommunikationspartner, wie ich sie wohl sonst nie erfahren hätte. Ich wurde sofort via Direct Messages von fünf Leuten auf Twitter über mein gekracktes Konto informiert, einer nahm dafür sogar sein Telefon in die Hand.

Nachdem ich zu später Stunde ein Entschuldigungsmail ausgeschickt habe, trudelten noch bis ca 00.30 Uhr Antworten ein – wohlgemerkt nahezu ausschließlich von der Geek-Girl-Runde – womit diese ihrem Namen wieder gerecht wurden. Sie nahmen meinen Gang unter die Spammer im Gegensatz zu so manchem Geschäftspartner sehr lustig auf.

Anschuldigungen machen die Runde

Denn von denen wollte einer noch im Nachhinein wissen, warum ich überhaupt so sicher sei, direkt an ihn ein solches Mail verschickt zu haben. (Bin ich nicht vielleicht doch wissentlich unter die Spam-Verschicker gegangen?)  Außerdem weiß ich jetzt auch, dass die Spamfilter des ORF, der APA und der Presse ausgezeichnet funktionieren. Zusätzlich zu dieser wundervollen Erkenntnis bekam ich auch einige sehr nette Mails von Bekannten und Freunden, die ich schon länger  nicht mehr gesprochen hatte.

Vielleicht steckt hinter solchen Spamattacken mit gecrackten Konten gar eine zwischenmenschliche Mission, die uns daran erinnern soll, öfter zu kommunizieren? Oder war es doch die Herbalife-Mafia, die sich nach meinem Beitrag mit der Technologie aus dem Jahre 2016 rächte?

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Feb
18
2009
6

Celebrity Twitter Match – Prominenz als Microblogger

Wie auch VIPs von nah und fern Twitter (nicht) nutzen

Rechtzeitig zum Opernball kann ich auch “Am Hochsitz” mit Prominenz aufwarten: Seit einiger Zeit (ver-)folge ich auf Twitter allerlei VIPs aus nah und fern. Dabei wird schnell klar, wer das Prinzip “Microblogging” verstanden hat (und daran Spaß hat) und wer es von seinen Beratern aufs Auge gedrückt und als unnötig empfunden hat. Zu letzterem empfehle ich diesen Link, der schon seit einiger Zeit im Web herumkugelt: http://howtousetwitterformarketingandpr.com.

Fleißig: Ashton Kutcher und Demi Moore

snoopdogWie auch Twitter selbst, sind auch die Prominenten auf dem Microblogging-Format zum Großteil aus den US of A.Mein erster Promi-Twitterer war Snoop Dogg, wobei es bei seinen Tweets geht wie seinen Texten: Die Hälfte davon ist völlig unverständliches Slangvokabular.

ashton2Mit Abstand die fleißigsten Twitterer in meiner Promi-Liste sind Ashton Kutcher und seine Frau Schauspielerin Demi Moore. Herr Kutcher schreibt fleißig, twitpict, macht livestreams, antwortet auf jederlei Fragen stellt auch schon einmal seinen ashton1Followern Bruce Willis für eine fünfminütige Fragestunde zur Verfügung. Er verhält sich genauso, wie man ihn aus Punk’d kennt. Seine Tweets wirken durch und durch selbstgemacht und lustig. Frau Moore bringt die weibliche Hasen-Seite der Beziehung über Twitter zum Ausdruck.

Folgt jedem: Yoko Ono

yokoonoAls einzige auf meiner Promi-Follower-Liste ist Yoko Ono, die anscheinend jedem folgt, egal ob sie seine Sprache versteht oder nicht – was ich im Prinzip eigentlich sehr freundlich finde. Ihre Tweets sind eher esoterisch angehaucht und drehen sich um ihr soziales Engagement, ihren Blog und manchmal auch um private Dinge.

Berufslustigkeit auf Twitterwilliamshatner

Von mir empfohlen, weil ziemlich lustig ist Monty Phyton-Star John Cleese, aber auch “Captain Kirk” William Shatner. Mit dabei auch Fran Drescher, die bei uns vor allem als Hauptdarstellerin in der Serie “Die Nanny” bekannt ist.

Reine Promotion: Jamie Oliver und Britney Spears

Als weiteres Promotion-Tool nützt Jamie Oliver Twitter. Das ist prinzipiell eher langweilig, aber er beantwortet zumindest sehr viele Follower-Fragen. Wie ernst das wirkt, ist jedem selbst überlassen:jamieoliver

Ähnlich auch Britney Spears, die anscheinend mehrere Leute (inklusive Manager) an ihren Account lässt. Was man aber positiv bemerken muss – sie weisen sich immer am Ende des Tweets mit ihrem Namen aus. Was Britney privat so twittert ist, könnte man verschieden bösartig auslegen, ich belasse es einfach bei einem Beispiel:

britneyspears

Nicht verstanden: 5, setzennicolerichie

Das Prinzip nicht verstanden oder bereits wieder aufgegeben haben so scheinen es Coldplay und Nicole Richie.

Spärlich bis gar nicht informieren die “Teenie-Stars” Mischa Barton, Rachel Bilson und Schauspieler Elijah Wood, obwohl sie ständig Besserung geloben.

Polit-Twitter: Obama, Schwarzenegger und Clinton

billclintonDer wohl bekannteste Twitterer sei hier nur der Vollständigkeit aufgeführt, Barack Obama, der trotz dem scheinbaren Ende seiner Microblogging-Zeit noch immer 279.908 Follower hat. In seine Fußstapfen will anscheinend Arnold Schwarzengger treten, der mich mit seinem Twitter-Engagement bisher nicht wirklich überzeugt. Ein Spaßvogel hat sich auch an einem Bill-Clinton-Account versucht. Viele amerikanische Journalisten wie zum Beispiel der NYTimes-Kolumnist David Pogue kommen an Twitter ebenfalls nicht vorbei.

“Promi”-Twittern in Österreich ist politisch

willimoltererIn Österreich haben vor allem Politiker zur Nationalsratswahl 08 Twitter für sich entdeckt. Besonders kurios aufgefallen ist dabei der damalige ÖVP-Chef Wilhelm Molterer (bzw. dessen Mitarbeiter), mit seinen langweiligen Wahlkamps-Pics, der erst am Tag des Wahlverlusts plötzlich auf die Community reagiert hat. Sein Nachfolger im Twitpic-Machen ist jetzt der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl.

marcoschreuderAuch getwittert hat Laura Rudas, deren Account aber schon wieder gelöscht ist. Noch online, aber ohne irgendeine Form der Interaktion sind die Grünen.  Ein gutes Beispiel für politische Twitter-Nutzung ist dagegen der SPÖler Andreas Schieder, ein sehr gutes der Grüne Gemeinderat Marco Schreuder. Sehr lustig (weil nicht echt) sind auch die Accounts des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl und des ehemaligen Innenministers Günther Platter.

Oder aber auch journalistisch

misikAuch österreichische Journalisten bzw. Autoren verschlägt es zu Hauf ins Twitterland. Als erstes habe ich Robert Misik und Andrea Dusl entdeckt. Misik macht sich Web2.0-Werkzeuge (wie auch Facebool) sehr stark zu Nutze, um für sein neues Buch zu werben, aber auch für Recherche-Anfragen oder zur Themenfindung. Dusl hat aus Twitter mir scheint es sehr viel Stoff für ihr neues Buch “Boboville” entnommen, seit dessen Veröffentlichung sind die Anzahl ihrer Tweets stark zurückgegangen. Auch Krone-Chef Hans Dichand nutzt Twitter (wohlgemerkt vor allen seinen anderen jüngeren Kollegen), wenn auch nur, um über seine neuesten Blogposts zu informieren. Ganz neu auf Twitter sind die ORF-Journalisten Armin Wolf und Dieter Bornemann inklusive deren Frauen.

Wer sich übrigens selbst an den Promis versuchen will, findet hier und hier genug Follower-Material (via Klaus Eck). Musikfans kommen hier auf ihre Kosten (mit Dank an Alexey)

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Feb
16
2009
9

Warum Trash gut für uns ist

Ein Plädoyer für den Schund in Film, Fernsehen, Radio und Schrift – inklusive Rechtfertigungsmaterial.

Ich kenne keine Folge von Big Brother, hatte nie das Vergnügen mit “Deutschland sucht den Superstar” oder “Germany’s Next Top Model”, war weder “Verliebt in Berlin” noch bei “Richterin Barbara Salesch” Zaungast. Johannes B. Kerner ist mir völlig fremd und Stefan Raab kenn ich nur durch Thomas Gottschalk. Ich komme aus einem streng kabel- bzw. SATlosen Elternhaus, was meinen Schulfreunden bei Nennung immer einen Mitleidsrunde wert war.

Ich selbst fand mich damals auch sehr arm, habe es aber auch nach acht  Jahren Eigenwohnen nicht über fünf Kanäle (ORF1, ORF2, ORF2NÖ, ATV und PULS4) hinausgeschafft. Vielleicht liegt es genau daran, dass mich der Trash (sei es in audiovisueller oder geschriebener Form) sehr oft magisch in seinen Bann zieht.

“Du hast dich sehr entwickelt!”

Sei es in Freundeshaushalten, wo ich beim gemeinsam-gemütlichem TV-Nachmittag mit begeisterten Voyeurismus durch “Date my Mom”, “SAM”, “Talk, talk, talk” oder wie sie alle heißen zappe, ganz zur Erheiterung der Anwesenden. Ebenso meine Freude über “Austria’s Next Topmodel” auf Puls4: Für die jene alle schwer nachvollziehbar, die bereits in fünfzehn anderen Staffeln die echte Heidi Klum “Du hast dich sehr entwickelt!” haben sagen hören. Oder auch beim Frisör, der sich bemühen muss, zwischen der “Gala”, “Men’s Health” und dem “Wiener” noch meine Haare im Spiegel zu erwischen.

Trash macht uns intelligenter

everything

Immer wenn ich in Gesprächen zum Thema Trash verwickelt bin, muss ich an ein bestimmtes Buch denken. Es ist schon etwas länger her, dass ich (dank Laura) Steven Johnsons Buch “Everything Bad Is Good For You: How Today’s Popular Culture Is Actually Making Us Smarter” gelesen habe. Wikipedia fasst die Quintessenz für mich recht gut zusammen:

Johnson untersucht ältere und jüngere Fernsehsendungen und stellt fest, dass Emergency Room, Seinfeld oder Die Sopranos dem Publikum geistige Höchstleistungen abverlangen – viele Handlungsfäden sind parallel zu verfolgen, miteinander in Beziehung zu setzen und weitverzweigte Verweissysteme zu erschließen. Reality-TV schult soziale Kompetenzen, da es offensiv dazu auffordert, sich mit den Situationen emotional und lösungsorientiert auseinanderzusetzen. „Sogar der Mist ist besser geworden” – mit diesem Fazit rehabilitiert er als vergleichender Beobachter das gescholtene Fernsehprogramm. (Quelle)

Johnson unterlegt seine Theorien mit jeder Menge Forschung und wirkt auch sehr überzeugend. Auch wenn er sich in seinem Buch (neben Videospielen) TV-Serien vornimmt, die bereits Kult-Status erreicht haben und ein eher gebildeteres Publikum (man möge sich zum Beispiel an dem Wort “Bobos” orientieren) anziehen.

Die allwissende Müllhalde

allwissende-mullhalde

via neusite.de

Was ist also die Legitimation für “Bianca – Wege zum Glück” bei deren Seifenopern-Langsamkeit man auch nach einem Monat noch immer frisch in die Handlung einsteigen kann? Oder wenn sich zwei gebildete Frauen einen Langstreckenflug laaaang erheitern können, wer mehr Promi-News auf Lager hat? Oder die Nachricht, dass es jetzt das erste vibrierende Mascara von Lancome gibt?

Eigentlich keine. Außer vielleicht, dass jeder einmal zugeben könnte, sich gerne Trash anzuschauen/lesen, weil man nicht immer hochgeistig sein kann. Und die Sinnentlehrtheit als wunderbare Möglichkeit zu sehen, sein Leben und sich nicht immer allzu ernst zu nehmen…

P.S.: Seit alle ausgezogen sind, sind in meinem Elternhaus (als Einziges in unserer Familie) rund 300 Kanäle zu empfangen.

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Written by Ronni in: Persönlich | Schlagwörter:, ,
Feb
13
2009
15

Online-Werbung wie sie plumper nicht geht

Prinzipiell bin ich ein Fan von Online-Werbung, die über blinkende Banner hinausgeht, neue Kommunikationswege im Web findet und Mehrwert in Form von Content u.ä. bringt. Aber vor rund einem Monat hat eine Firma aus Liechtenstein den Vogel abgeschossen. Was sie genau anbietet, wird auch auf der Website nicht klar, insgesamt wirkt das Ganze ziemlich schwindlig.

Die untenstehende Nachricht habe ich an meinem Geburtstag via Skype bekommen. Es ist nicht nur äußerst plump, sondern auch noch völlig falsch platziert. Für mich ist der Voip-Dienst in erster Linie private Kommunikationshilfe oder praktisch, um billig mit Interviewpartnern außerhalb Österreichs zu telefonieren. Wenn ich jemanden adde, dann nur, weil ich ihn persönlich kenne.

Natürlich wird man schon alleine des Ärgers wegens auf deren Website klicken. Aber wer gibt denn seine Daten einer Firma, bei der nicht klar ist, was sie überhaupt verkaufen? Oder geht es den “Ernährungsberatern” in erster Linie um die  Visits?

skype3

Edit: Wie Scientology-mäßig sich diese Firma auch außerhalb von Skype verhandelt, seht ihr in diesem Video (mit Dank an Stormgrass!)


WellBiz 2016
Hochgeladen von pocok67
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Written by Ronni in: Fundstück | Schlagwörter:, ,
Feb
11
2009
6

Wie man am Land ein Pickerl bekommt

Man nehme ein Auto (gelinde gesagt) am Ende seines Lebenszyklus, eine kleine Dorfwerkstatt und die Entschlossenheit von Bergmenschen, damit unbedingt am nächsten Tag nach Deutschland zu fahren.

Durch den Bremstest kommt man nun folgendermaßen: 1. Statt “leichtes Bremsen”, wie vom Mechaniker angeschafft, drückt man den Fuß ganz durch und verwendet zusätzlich noch die Handbremse. Wenn das zu wenig ist, wird einem vom Mechaniker ans Herz gelegt, 2. eine große Runde mit dem Auto zu fahren und regelmäßig zu bremsen (auch wenn es stinkt), damit die Bremsen richtig schön warm werden. Stellt sich die notwendige Bremskraft noch immer nicht ein, verfrachte man 3. alle anwesenden Mechaniker gemeinsam in den Laderaum, um mehr Druck zu erzeugen.

Als letzte Möglichkeit werden die Geheimtricks ausgepackt und 4. eine nicht näher definierte Flüssigkeit an der Unterseite des Fahrzeugs gespritzt. Das führt zwar dazu, dass die gesamte Werkstatt für runde fünf Minuten in schwarzem Rauch versinkt, die Prüfmaschine zeigt aber nach knapp einer Stunde endlich das richtige Ergebnis.

Daraufhin folgt ein freudestrahlendes gemeinsames Aufpickerln, die Prüfung ob Licht, Stoßdämpfer oder der Motor richtig gesetzestreu ihren Dienst machen, wird auf die nächsten Jahre verschoben.

(nacherzählt nach einer wahren Bergmenschenbegebenheit)

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Written by Ronni in: Mitgehört | Schlagwörter:, ,
Feb
09
2009
5

Unplugged am Ohr der Österreicher

Wer wissen will, was die Österreicher denken, braucht keine Umfragen. Er muss sie einfach nur öffentlich belauschen.

Zu den weniger angenehmen Dingen in meiner Zeit als Agentur-Journalistin zählte eindeutig der Auftrag, des Volkes Stimme zu eruieren. Das war nicht nur sehr mühsam, sondern bringt im Endeffekt wenig bis noch weniger , weil 1. Die Leute genervt sind und sowieso nichts sagen wollen (schon gar nicht, wenn ihr Gesicht danach nicht zumindest “im Fernsehn” ist und sie so einen Rundruf in der gesamten Verwandt- und Bekanntschaft machen können) 2. sie dann genau das sagen, was von ihnen gesellschaftlich erwartet wird und 3. man meistens schon im Voraus sagen kann, wen man anredet, um welches Ergebnis zu bekommen.

Viel effektiver und ehrlicher ist es da schon, die Menschen auf der Straße einfach zu belauschen.  An einem schönen Wintertag habe ich also meine omnipräsenten Belanglosigkeitsschützer (meine Kopfhörer) daheim gelassen und mich unter die Menge im 1. Wiener Gemeindebezirk gemischt.

Besser als die “Wochenschau”

wochenschau

via Bizeps.or.at

Wer sich unter Touristen, Mozarts in allen Variationen, dem meist weiblichen Shoppingvolk und Hofratsgattinnen bewegt, bekommt eine Zusammenfassung der Ereignisse der vergangenen Tage (besser als die “Wochenschau“) mit dem gewissen subjektiven Touch.

Die prekäre Lage der AUA zum Beispiel war das Gesprächsthema zweier Enddreißiger in der typischen Geschäftstätigen-Uniform. Die Frage: “Und bist du letztens wieder Businessclass geflogen?” hat einen halb leidend, halb gequälten Blick der Befragten zur Folge:  “Ja, das ist auch nimmer das, was es mal war. Kein Wunder, was da das Management alles verbockt hat.” Einfach und kompakt, mit einem traurigen Unisono-Kopfnicken abgerundet.

schoeps

via Hauptplatzpassage.at

Kommentiert wird ebenfalls die Umorientierung der Wiener Textilhandelskette Schöps, aus denen Filalschließungen und Abverkauf der bisherigen Kollektion (“Variationen in Fekalbraun”) resultieren. Zwei Pelzyetis um die 80 mitten im Räumungsrummel: “Und, hast was gefunden?” Energisches Kopfschütteln:  “Na, schau dir das an, alles so furchtbar altmodisch!”, die Dame deutet vage umher. “Des wird sicher besser”, ist ihr Gegenüber überzeugt. “Das haben’s beim Hitler auch gesagt.” Aha. Tja.

Das geheime Freizeitverhalten der Österreicherinnen

ferguson

via tvscoop.tv

Straßenthema ist das geheime  Freizeitverhalten der heimischen Mitbürger: “Letzte Woche haben wir wieder Poker gespielt”, gesteht eine Mittzwanzigerin mit einem schuldigen Blick ihrer Freundin. Zwei Shopperinnen fachsimpeln über einen Haarreif, den sie immer bei “Fergis Kinder in der Gala” sehen, “wenn die zu einer Hochzeit gehen”. Und eine andere Dame ruft am Telefon zur Kaffeezusammenkunft auf, weil sie jetzt so einen Kaffee “wie der George Clooney” hat.

Fiona

via daylife

Heimische Prominenz auf dem Prüfstand

Die heimische Prominenz – an diesem Tag von  Frau Fiona Pacifio-Grissini-Grasser vertreten – hat es in die Konversation zweier gelangweilter Schmuckverkäuferinnen am Graben geschafft: “Schau, die Svarovski-Frau im Jogginganzug”, ruft die eine aufgeregt aus. “Selbst da drin aufgmascherlt. Also i würd mi genieren!”, kommentiert die andere. Nur wenige hundert Meter weiter kreuzt eine andere “Prominente” meinen Weg, weitaus unsichtbarer unter Hermes-Tuch und Moonboots bleibt sie unkommentiert. Nur ihr zugekniffener Mund bestätigt meine Vermutung: Es handelt sich Christiane Hörbiger.

Von meinem großen Lauschangriff völlig verschont wurden die Horden japanischer und ostsprachiger Touristen vor dem Stephansdom. Die können sich einfach nicht integrieren und konversieren auch weiterhin in ihrer Landessprache.

Edit: Die genialen Monochromer sammeln diese Art von Belauschungen unter www.monochrom.at/vorueberschreiten und freuen sich über neue Beiträge von Jederfrau/mann. Zum Zerkugeln!

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Written by Ronni in: Spaziergang | Schlagwörter:, , , ,

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