Zur Vorpremiere in einen Saal voller schwitzender Teenager zu quetschen, zeugt meinerseits eindeutig von einem gewissen Faible für die Zauberwelt rund um Hogwarts. Die Verfilmung von “Harry Potter und der Halbblutprinz” hat mich weder vollkommen enttäuscht, noch mitgerissen. Eine richtig gute Kritik zum Film sucht man in österreichischen Zeitungen aber vergeblich.
Den Umstand zu beschreiben, mit dem ein Besucher nach einem bestimmten Film aus dem Kino kommen wird – das soll eine Filmkritik im besten Fall. Von den Kulturkritikern österreichischer Zeitungen kann man sich das beim Beispiel neuer Harry Potter-Film nicht erwarten: Erstens haben die meisten das Buch nicht gelesen (was man aber mit dem Zeitaufwand auch niemandem verübeln kann) und zweitens (was der wichtigste Grund ist) ist es ihnen zwar zu trivial, aufgrund der Massenfreude darüber kommt aber kein Journalist daran vorbei. Es folgt dann eine Kritik, die schon im Vorhinein als negativ intendiert wird.
Außerhalb der österreichischen Gemüter liest sich das ganz anders: Hier in der renommierten deutschen Zeitung “Die Zeit” merkt man richtig, dass sich der Autor mit dem Werk beschäftigt hat und es mit dem richtigen Ernst betrachtet. Der Abschlussabsatz beschreibt den Film daher perfekt:
In früheren Büchern fing der Weg nach Hogwarts im Londoner Bahnhof Kings Cross auf dem Bahngleis 9¾ an: Hier berührt sich die Zauber- mit der Muggelwelt. Bekanntlich wird das Gleis 9¾ nur sichtbar, wenn man ein Zauberer ist und mit Karacho gegen einen bestimmten Pfosten rennt. Für Muggel tut es sich nicht auf, und so ist es mit dem ganzen Film. Er beschwört die Zauberwelt, er zieht an den Strippen ihrer Protagonisten, und sie bewegen sich wie echte Menschen. Kein Funke springt über. Dieser Film ist ein Muggelfilm.