Die letzten Stunden zwischen mir und dem iPhone nahen (heute muss ich es wieder zurückgeben) und ich merke eine kaum gekannte Melancholie bei dem Kleinen. Wahrscheinlich gibt es sehr selten jemanden, der sich so mit ihm so ausgiebig beschäftigt hat. Ich bleibe aber beinhart und rechne ab, zumindest in einer Pro und Contra-Liste – die wird ja gern empfohlen, wenn man vor einer schweren Entscheidung steht.
Foto: Daniel Gebhart de Koekkoek
PRO:
- Klein-Büro: Für mich als Freiberufler wirklich unglaublich praktisch. Ich habe alle E-Mail-Konten meiner verschiedenen Projekte gesammelt habe, das iPhone bereitet mich zudem mit einem kleinen “Bling” auf etwaige elektronische Briefleins vor. Auf diversen Wochenend-Reisen muss ich jetzt mein Notebook nicht mehr mitschleppen, zumindest was Anfragen per Mail und kurze Recherchen angeht.
- Vorzügliche Zeiverschwendungsmaschine: Wie schon in den vergangenen Posts festgestellt bräuchte ich mit dem iPhone vor langen U-Bahnstrecken nicht mehr zurückschrecken. Mit Internet, eBooks, Musik, Videos und Spielen ist man wahrlich gut ausgerüstet.
- Nulltarif-Shoppen: Der App-Store, da sind sich wahrscheinlich alle einig, ist sicherlich das Beste am iPhone. Soviele intelligente, dumme, sinnvolle und sinnlose, verrückte und lustige kostenlose Anwendungen, die einem das Gerät versüßen, gibt es sonst nirgendwo. Meine Favorites sind eindeutig Deezer, Adidas Urban Art, Around me und Shazam.
- Bedienbar von Wiege bis zur Bahre: Ein Familientest hat das eindrucksvoll bewiesen. Meine drei bzw. achtjährigen Nichten konnten das Gerät sofort bedienen, auch meine Eltern waren sofort am Tipseln.
- Coolness-Faktor: Ein iPhone ist einfach sowas von stylish, das muss sich wohl jeder eingestehen. Auch wenn es jetzt zum Beispiel in der Wiener U-Bahn in jedem Wagon mehrere Apple-Besitzer gibt, das Gerät zieht nach eigenen Feldversuchen immer noch viele Blicke auf sich.
- Freisprech: Nachdem ich ständig mit Kopfhörern bzw. Musik in den Ohren unterwegs bin, finde ich es sehr praktisch, dass im Kabel direkt ein kleines Mikrofon eingebaut ist.
CONTRA:
- Sprachsteuerung: Ich hab wirklich einige Zeit damit verbracht, meinem iPhone mitzuteilen, dass er jetzt bitte Peter anrufen oder “The Strokes” spielen soll. Ohne Erfolg. Beim Mobileblogger-Stammtisch wurde mir dann erklärt, dass man sich dafür extra Zeit nehmen sollte und rausfinden, in welcher Lautmalerei das Gerät die einzelnen Namen gerne haben möchte. Pingeliger als die Franzosen möchte man meinen!
- Tastatur: Auch nach drei Wochen hab ich noch so meine Probleme, jederzeit die richtigen Tasten zu erwischen (auch ohne Wurstfinger). Auch die Copy-and-Paste-Funktion und ich wurden noch nicht so richtige Freunde. Eine richtige Tastatur wie beim G1 oder N97 liegt mir da schon eher.
- SMS: Vielleicht ist es reine Gewöhnungssache, aber die Apple-User sind anscheinend keine SMS-Schreiber. Das dazugehörige Programm ist relativ lieblos und unübersichtlich aufgebaut, außerdem sagt es einem nicht, ob man jetzt in einer Schreibwut eins, zwei oder gleich drei SMS verbraucht hat (bei diesen Tarifen nicht unwichtig!)
- Apps: So lässige Anwendungen es auch gibt, bei den essentiellen Versionen wie zum Beispiel der Facebook-App oder Xing fehlt es an allen Ecken und Enden. Dafür kann Apple zwar nichts, es ist aber dennoch lästig.
- YouTube: Auch etwas, wofür Apple nichts kann, was aber dennoch stört: YouTube konvertiert die Videos am iPhone so sehr, dass man bei schlechter Qualität (was dort ja nicht selten ist) nur mehr Pixel zählen kann.
- Empfangsprobleme: Nachdem ich mit meinem Nokia über Telering auch das T-Mobile-Netz nutze, weiß ich, dass es nicht am Netz liegen kann. Somit ist bewiesen: Mit dem iPhone hat man eindeutig Empfangsprobleme. Was doch an T-Mobile liegt: Es gibt zwar eine Applikation für Skype, es ist aber per Netzbetreiber verboten, mit dieser zu telefonieren. Welchen Sinn hat das dann noch?
- Bluetooth: Aus “Hackerschutz-Gründen” kann das iPhone via Blueetooth nicht mit dem PC synchronisieren. Find ich ziemlich lächerlich und ist eine völlig unnötige Restriktion.
- Ersatz- bzw. Zusatzteile: Was mich bei Firmen wie Apple maßlos aufregt: Ein Autoladegerät, das ich für meinen iPod gekauft habe, funktioniert für das iPhone nicht. Dabei handelt es sich eigentlich um den gleichen USB-Anschluss. Ich müsste mir dafür jetzt extra ein eigenes Ladegerät für das iPhone kaufen.
- Akku: Dieses Argument hat wahrscheinlich schon jeder Blogger gebracht, aber jeden Abend aufladen ist einfach nicht lustig.
- Internet und Telefonieren: Gleichzeitig telefonieren und im Internet surfen geht nicht. Was logisch ist, weil es sich ja um dieselbe Datenverbindung handelt, was ich mir aber trotzdem wünschen würde.
Nach mathematischen Berechnungen spricht eigentlich die Mehrheit gegen das iPhone. Auch der Kostenfaktor ist nicht ganz unentscheidend: Im Endeffekt sind mir nahezu 40 Euro pro Monat für den billigsten Tarif plus 149 Euro einmalig für das iPhone selbst zuviel. Aber ist es nicht meistens so, dass diese Pro und Contra-Listen nach dem Aufstellen im Müll landen und der Bauch entscheidet? Mal schauen, abwarten und Eistee trinken…
P.S.: Danke an das Team von Ambuzzador für die drei Geek-Wochen im Zuge von Mobileblogger.























