Wie man am Land ein Pickerl bekommt

In: Landleben
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Man nehme ein Auto (gelinde gesagt) am Ende seines Lebenszyklus, eine kleine Dorfwerkstatt und die Entschlossenheit von Bergmenschen, damit unbedingt am nächsten Tag nach Deutschland zu fahren.

Durch den Bremstest kommt man nun folgendermaßen: 1. Statt “leichtes Bremsen”, wie vom Mechaniker angeschafft, drückt man den Fuß ganz durch und verwendet zusätzlich noch die Handbremse. Wenn das zu wenig ist, wird einem vom Mechaniker ans Herz gelegt, 2. eine große Runde mit dem Auto zu fahren und regelmäßig zu bremsen (auch wenn es stinkt), damit die Bremsen richtig schön warm werden. Stellt sich die notwendige Bremskraft noch immer nicht ein, verfrachte man 3. alle anwesenden Mechaniker gemeinsam in den Laderaum, um mehr Druck zu erzeugen.

Als letzte Möglichkeit werden die Geheimtricks ausgepackt und 4. eine nicht näher definierte Flüssigkeit an der Unterseite des Fahrzeugs gespritzt. Das führt zwar dazu, dass die gesamte Werkstatt für runde fünf Minuten in schwarzem Rauch versinkt, die Prüfmaschine zeigt aber nach knapp einer Stunde endlich das richtige Ergebnis.

Daraufhin folgt ein freudestrahlendes gemeinsames Aufpickerln, die Prüfung ob Licht, Stoßdämpfer oder der Motor richtig gesetzestreu ihren Dienst machen, wird auf die nächsten Jahre verschoben.

(nacherzählt nach einer wahren Bergmenschenbegebenheit)


Veronika

Veronika Höflehner ist freie Journalistin und Autorin, die es vor zwei Jahren in die Berge verschlagen hat. Neben interessanten Fundstücken aus dem Netz findet man hier Texte zu ihrem Leben als Stadtmensch in den Schladminger Tauern.


6 comments

  • Floh

    11. Februar 2009 at 12:24

    Hi, und mit so einem Auto traut sich dann jemand (nach Deutschland) fahren?

    Mal abgesehen davon dass bei einem Unfall jede Versicherung aussteigt wär mir mein Leben dann doch zu wichtig 😉

    lg floh

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  • cdw

    11. Februar 2009 at 19:34

    super geschichte, aber ich teile flohs bedenken…
    wenn das autofahren nur nicht so gefährlich wäre – ich war auch fast ein jahr ohne rechtes rück- und bremslicht unterwegs, habs aber jetzt richten lassen…

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  • Ronni

    12. Februar 2009 at 09:27

    Gebe euch absolut recht, aber das ist sicherlich kein “Einzelschicksal” kann ich euch nur sagen…

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  • Jürgen Liechtenecker

    12. Februar 2009 at 11:34

    meine vespa ist dermassen “zusammengeschraubt” dass ich nur mehr in einer kleinen versufften werkstatt im tiefsten 21. bezirk mit 30euro “trinkgeld” das pickerl bekomme

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  • Ronni

    12. Februar 2009 at 12:04

    Danke für die Verifizierung! 😉

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  • Peter

    12. Februar 2009 at 17:59

    Böse Zungen behaupten das geht auch in Deutschland. Früher nur beim “Bauern-Tüv”, heute auch bei der Werkstatt deines “Vertrauens”

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