Warum die Bundeshauptstädter im eigenen Ausland viel essen und mehr
Zu jeglichen Ferienenden häufen sich ja immer die Tourismus-Statistiken, wer wohin wielange wieviel und wie Österreich davon perfekt proftiert hat. Die weitaus interessantere und dementsprechend inoffizielle Statistik habe ich bei einem Hüttenwirt aufgeschnappt: In der Wiener Ferienwoche stieg der Umsatz bei Essen jeglicher Art um zehn Prozent.
Liebe Zungen behaupten, dass die viele gute Luft auf den Bergen den Wiener Hunger fabriziert. Böse Zungen wiederum, dass die Bundeshauptstädter von so viel Sport so geschlaucht sind, dass sie doppelte Portionen essen müssen.
Assimiliert von Kärtnern und Steirern
Die bösen Zungen (vulgo Restösterreich) fühlen sich durch diese Nachricht in ihrem Urteil über den unguten und peinlichen “Mundl” bestätigt. Obwohl es den echten Wiener in dem Sinne kaum mehr gibt, weil er vor langer Zeit von den heranströmenden Steirer- und Kärtnerstudentenschaaren vertrieben bzw. assimiliert wurde.
Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig man sich außerhalb der Bundeshauptstadt über diese Spezies “Wiener” freut. Bestimmt verhalten sie sich oft auch so – ich weiß es nicht, weil ich in den zwei Jahren Wien meines Wissens keinen einzigen reinrassigen “Mundl” getroffen habe. Dennoch muss man den Wirten glauben, die nach den diesjährigen Semesterferien sagen: „Ich weiß nicht warum, aber diese Woche macht mich fertiger als alle anderen.“
Mischwesen de luxe
Vielleicht handelt es sich dabei aber auch um eine heimtückische Mischung aus dem grantigen “Mundl”, dem leutseligen Steirer und dem schwer traditionellen Kärntner (um einmal alle Stereotypen zu vereinen), die sie zu dieser fatalen Aussage verleitet. Man stelle sich das vor seinem geistigen Auge vor: Da sitzt er also in der Hütte, trägt Adidas-Sneaker, eine Thermo-Hose und einen Lodenmantel und beschwert sich beim Wirt: Die Leut sind zu freundlich, die Musik zu wenig stoakoglerisch, das Bier zu tschechisch und die Portionen zu klein. Wer wäre da nicht fertig?
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