Es ist schon länger her, dass ich hier meine ersten Eindrücke von Berlin kund getan habe. Nun folgt die Replik in Gestalt zweier richtiger Berliner Kinder, die etwas gemacht haben, was man sich hierzulande nur schwer vorstellen kann: Sie sind aus der deutschen Bundeshauptstadt weggegangen, um das Leben in Wien auszuprobieren.
Ein Gespräch über meinen Berlin-Trip ging daher eines schönen Abends nahtlos in eine Diskussion über Wien über, dessen Ansehen in diesen vier Berliner Augen über die Zeit hinweg leider stark gelitten hat.
Die Hauptkritikpunkte:
- Wien ist teuer, insbesondere der Wohnungsmarkt in den Innenstadtgegenden, ebenso das Essen und Trinken.
- Verbraucht zwar weniger Geld, ist aber trotzdem nicht positiv: Am Sonntag haben nahezu keine Restaurants offen.
- Die Wiener sind im Gegensatz zu den direkten, grummelnden Deutschen (“Berliner Schnauze”) sehr freundlich, aber nur von vorne. Hinterm Rücken wird hemmungslos getratsch.
- Es gibt extrem viele alte Leute, auch die Jungen verhalten sich alt in Wort und Schrift.
- Wien hat keinen Platz für frische Ideen. Jeder versteckt sich hinter seiner Gutbürgerlichkeit, etwas Ausprobieren ist nicht im Programm.
- “Hier flutscht zwar alles, im Gegensatz zu Berlin, wo alles improvisiert und zusammengeschustert ist, aber das ist auch schon alles.”
Was haltet ihr davon? Wer tritt zur Ehrenrettung der Stadt Wien auf? Gibt es Gegenargumente oder zumindest andere positive Aspekte, die für die Kritikpunkte entschädigen? Was ich vielleicht noch anhängen sollte: Das besagte Pärchen wird nach einem Jahr in Wien wieder zurück nach Berlin gehen. Warum? Wenig Jobmöglichkeiten und… siehe oben.
Stephansdom kommt via Flickr
- auch innerhalb von deutschland sind wohnungen in berlin relativ billig – kann nicht jeder das glück haben, in ein einer ehemals geteilten stadt zu wohnen, wo der ostmietpegel auch den gesamten pegel etwas drückt.
- kein restaurant offen? haben die ein problem damit, sich ini kaffeehäuser zu setzen? dann soin se si putzn!
- berliner schnauze: genau, von vorne wie von hinten gleich unfreundlich; dann haben die wiener doch wenigstens :eine: freundliche seite.
- ich liebe städte, in der die alten z.b. in den kaffeehäusern zu sehen sind und nicht nur in ihren wohnzimmern vor dem fernseher sitzen! und was soll alt in wort und schrift heißen? da verwechselt wohl einer das schöne österreichische idiom mit altertümlichkeit!
- keine ahnung WO in wien sich diese drecksberliner rumtreiben, aber überall wo ich hingehe, kochen und basteln alle leute permanent an ideen!
die haben doch sicher noch einen koffer in berlin? solln se suchen gehn, wa?
alles gute:
sagt die kölnerin in wien
Wow, das ist eine heftige Ode an Wien, danke!
ad berlin: habe mich, damals, als ich dort war, selten so frei gefühlt in einer stadt… lag vielleicht auch an den menschen, die ich dort besuchte, aber wahrscheinlich nicht nur. aus wien kehre ich immer leicht depressiv zurück, früher mochte ich die stadt sehr, mittlerweile bin ich gespalten – das typisch österreichische, das diese stadt auf “wienerisch” verkörpert – opportunismus, faschismus, darwinismus – ist nicht wirklich meins. da schätze ich die provinz, hier erlebt man das “tpyisch österreichische” in anderen nuancen – erträglicheren…
ich mag die mischung…vielleicht liegt mir wien deshalb so, weil ich selbst gern melancholisch bin! who knows…
wiener mischung, 1kg, gemahlen, 7,99…
Tut mir leid, wenn ich nicht viel zur Ehrenrettung beitragen kann… Ich finde Wien und die Wiener ja nett. Aber schon ein bisschen komisch:
http://cash.ch/blogs/wolf/2006/11/13/facettenreiches-wien/
Uh, das sind ja wilde Beispiele! Am besten gefällt mir die Kinder-TV-Sicherung! *ggg* Aber gute Alt-Wiener-Cafe-Tipps kann ich dir zu Hauf geben….
Leider kann ich es nicht vergleichen direkt, aber wohne seit 7 Jahren in Wien und die Raunzer-Mentalität, das Melancholische, die verbitterten Gesichter der Leute in der Ubahn – es motiviert nicht wirklich zum dauerhaft sesshaft werden. Man wird hinuntergezogen in den Sog und muss zwangsweise selber ein Raunzer werden, um es auszuhalten. Naja, jedem sein Ding, meins ists nicht
Ich hoffe Berlin ist da nicht so schlimm…
Ja, das muss man schon mögen, da hast du recht!
lieber eine stadt voller depressiver (wien) als eine stadt voller ghetto gangster(berlin)
Ich sag nur mehr eins hört euch das an:Albin Myers – Times Like These (EDX’s Indian Summer Remix) und jeder wird die schlechten sachen jeder einzelnen stadt vergessen, ich mein jede hat sie, es gibt keine perfekte stadt.einfach anhören und chillen!
Thx für den Tipp!
immer wieder gerne!