Aug
07
2009
3

Beste Wochenreste: Dünne Mädels und dicke Kerle

Die österreichichsche Medienlandschaft erzittert diese Woche ob einiger Aufreger. Jene Empörung rund um die (angebliche) Verprügelung eines Schwimmers in südlichen Gefilden kann ich  ganz und gar nicht nachvollziehen. Was mir viel besser gefällt ist, was die Webszene daraus macht.

Hau den Rogan
Was haben wir alle gelitten! Ich besonders darunter, dass mich am Montagmorgen in der U-Bahn eine völlig belanglose Schlagzeile (auf dem Papier, dass sich Zeitung schimpft) anschreit. Selbst dem Standard war das Prügelaffärchen rund um Markus Rogan eine Titelgeschichte wert. Ich versteh nicht, was mich daran so unglaublich zu interessieren hat. Mir war hauroganes schon wurscht, ob und wie viele gekrönte Häupter er in sein Bett bringt.

Eine weitaus attraktivere Freizeitbeschäftigung ist, was ein Grazer aus der ganzen Geschichte gemacht hat. Unter www.haudenrogan.at hat er drei Minigames ins Netz gestellt, bei denen man sich unter anderem als “PACROGAN” auf die Jagd nach Türstehern macht oder sich als Security in “HAU DEN SCHWIMMER” versucht. Die Seite ist bereits wieder offline gegangen, der Betreiber Andreas Weirer kommentierte auf E-Media: “aufgrund eines rechtsanwaltsschreibens musste ich die seite offline nehmen und auch löschen. ich hatte mehr als 121.000 clicks bis zum bitteren ende.” (Bildquelle vol.at)

Downloaden für Juristen
Was mich schon viel mehr beschäftigt, ist folgende Geschichte, die ich dem Standard entnommen habe:

Weil er 30 Songs über die Internettauschbörse Kazaa heruntergeladen und weitergegeben hat, ist ein Student in den USA zur Zahlung von 675.000 Dollar (474.000 Euro) Strafe an die klagenden Plattenfirmen verurteilt worden.

joelAuf Wikipedia und der offiziellen Website zum Fall ist von sieben Songs die Rede (wer recherchiert in Österreich noch?). Abgesehen davon, dass ich viele Menschen kenne, die möglicherweise bereits ein oder zwei Songs ohne die Hilfe von freundlichen Verkäufern im Elektronikshop erworben haben, gefällt mir, wie gut die Verteidigung (ein Harvard-Professor und seine Studenten) hier internettechnisch organisiert ist. Auf der Website finden sich alle Dokumente, die bisher zu diesem Fall geschrieben wurden, es gibt einen eigenen Twitter-Feed und eine Facebook-Supportseite.  Wenn das kein Hollywood-Filmaterial ist! (Bildquelle)

Skinny Girls, Big Sandwiches
Was im Film nie zu sehen ist, hat mir diese Woche Michi von Cooloutfit nähergebracht:  Diese Seite ist zwar nur für den einmaligen stimmungsaufhellenden Besuch gedacht (außer jemand fühlt sich beim Betrachten von essenden Frauen irgendwie besonders wohl in gewissen Regionen), hat aber durchaus einen Sinn. Es handelt sich dabei um ein Ausstellung von Fotos, die Damen beim Essen von überdimensionalen Sandwiches zeigen, was andere Frauen wiederum glücklich machen soll. Ob diese Sandwiches dann auch in dieser Form im Körper bleiben, wird auf http://skinnygirlsbigsandwiches.com leider nicht beantwortet.

Sachen zum Lachen
Wilde  Schmerzen und gleichzeitig Lachanfälle verursacht mir die österreichische Politik seit einigen Jahren. Beides vereint sich im traditionellen letzten Video der Woche:

  • Share/Bookmark
Written by Ronni in: Fundstück | Schlagwörter:, , , , , ,
Jun
29
2009
2

Fieldtrip Donauinselfest

Nerdig vor dem App-Store abhängen, das kann man mit dem iPhone sehr wohl vortrefflich. Nicht umsonst bin ich bereits zum Installateur von mindestens 15 verschiedenen Anwendungen mutiert. Wie sich das Gerät in freier Wildbahn so anstellt, konnte ich beim Donauinselfest Wochenende austesten.

Twitterific und Worldview
Das Wetter ist ja neuerdings eine ziemlich launische Angelegenheit. Obwohl nasse Füße und schön viel Dreck wie das Frühstücksbier einfach zu Festivals gehören, kommt dennoch manchmal der Wunsch nach adäquater Besohlung (Gummistiefel oder Sandalen?) auf. Dafür gibt es gleich zwei Apps: Praktisch ist die Anwendung  “Worldview” mit der man Webcams rund um die Welt finden kann. Die Donauinsel ist davon aber leider noch sehr unberührt, abgesehen von dem Betonblick unten – gut für Datenschützer und FKK-Freunde, schlecht für meine Gummistiefel-or-not-Frage. Durchaus naheliegender ist da natürlich Twitter über die Anwendung Twitterific. Mit der Stichwortsuche finden sich leicht Zwitschernde, die vor Ort bereitwillig und unbefangen Auskunft über Boden- und Wetterverhältnisse erteilen.

IMG_0058 IMG_0059

Quando und Google Maps
Auch bei der Beförderungsfrage kann das iPhone helfen: Mit den Öffis leitet Quando übersichtlich an den Zielort, etwas gefährlicher im Handling kann man es mit Google Maps am Fahrrad haben. Wer eine Ein-Arm-ein-Auge-Technik für das Handy parat hat, kann sich in wilder Fahrt hinlotsen lassen. Auf der Website des Donauinselfest finden sich dann direkt vor Ort Karte und Programm – zum ersten Mal kein Glanzauftritt des iPhones. Dafür kann es aber hier relativ wenig, mit PDFs und einem großflächigen Suchprogramm ist die Seite in erster Linie für das Bedienen in Heim und Hof vor dem PC gedacht.

IMG_0061 IMG_0062

Facebook
Weitaus hilfreicher ist das iPhone da beim Netzwerken. Wer kann von sich schon behaupten, am nächsten Tag noch alle Menschen mit vollem Namen zu kennen, die man am Abend getroffen hat? Wenn man sie im Gespräch gleichzeitig auf Facebook added, kein Problem (Achtung: Das ist bereits fortgeschrittene Nerdness und wird möglicherweise nicht von jedem mit gleichem Enthusiasmus aufgenommen.).

IMG_0060

Kamera
Enttäuschend ist die Performance meines neuen Begleiters was Fotos und Videos angeht: Im Gegensatz zu meinem wirklich nur mit Basics ausgestatteten Nokia-Handy fehlen hier sowohl Zoom-Funktion als auch Blitz und auch die Videos sind alles andere als wohltönend. Insgesamt ist die Qualität etwas besser als auf meinem alten Handy – aber wenn ich mir schon so ein State-of-the-Art-Teil kaufe (das im freien Handel abseits von Tarifverträgen das fünffache kostet), will ich, dass es auch Fotos so gut wie eine normale Digitalkamera macht. Wer schöne Erinnerungen an ein Konzert haben will, sollte daher entweder völlig auf jegliche Gadgets verzichten und sich auf sein Gedächtnis verlassen, oder belastet sein Kreuz mit einer gescheiten Kamera.

Video von Naked Lunch “Town Full of Dogs”

nakedlunchIMG_0053

Fazit des Tages
Als Westentaschen-PC reduziert das iPhone die Kommunikation mit Menschen, die zwar für Auskünfte da sind, aber wegen Unfreundlichkeit unfragbar sind (Ordner, Kellner, Veranstalter, Polizisten, U-Bahnbedienstete). Gleichzeitig wird die Kommunikation mit angenehmen Zeitgenossen (Freunden, Twitterern, völlig Fremden) maximiert.

  • Share/Bookmark
Written by Ronni in: Spaziergang,iPhone | Schlagwörter:, , , , , , ,
Apr
23
2009
4

Zeitungsverbot in der U-Bahn

Ich bin ein absoluter Fan von Belanglosigkeitsschützern in der Öffentlichkeit. Ein Morgen in der U-Bahn ist für jeden Großstadtmenschen ein mehr oder minder großer Eingriff in die Privatsphäre – kommt darauf an, wie sehr man es mit fremden Menschen gern kuschelig hat.

ubahnzeitungIch bin mir nicht sicher, wieviele persönliche Details ich von meinen Mitfahrenden versäumt habe, denn ohne meine Kopfhörer und die Zeitung gehe ich nicht freiwillig in den Untergrund. Bei der Wahl für einen von drei Sinnen (ausgenommen sind Tasten und Schmecken, ersteres ist als Festhalten zu gewissen Zeiten nützlich und zweiteres gilt nur dann, wenn jemand gern am U-Bahnsitz leckt) habe ich mich entschieden, Wien in seiner ganzen olfaktorischen Pracht zu erleben. Möglicherweise ändert sich das noch und ich werde auf Nasenklammern statt Ohrenstöpsel umsatteln.

Nehmt den Kindern die Zeitung weg!
So eine Zeitung in der U-Bahn ist ja kein wirklich praktisches Ding. Außer man lebt in Wien und bekommt etwas, dass sich Information schimpft, gratis nachgeworfen. Auch wenn ich furchtbar spießig klinge, aber es entsetzt mich jeden Tag, wieviele Schulkinder in diversem Kleinblättrigen vertieft sind. Ich hoffe ja darauf, dass Erwachsene die Berichterstattung zumindest zu einem Teil einordnen können (ich selbst bin ja auch dem Trash nicht abgeneigt, obwohl ich bei diesen Zeitungen fast aus Prinzip passen muss), aber wie sollen Kinder das ohne Rezeptionsunterricht tun? Ich wünschte mir, es gäbe für diese Blätter zumindest einen Jugendschutz…

Aber zurück zum Unpraktischen: In Tokio spricht sich die U-Bahngesellschaft offen gegen das Zeitungslesen in Waggons aus. Und pflichtgetreu wie die Japaner sind, werden sie dem wahrscheinlich auch nachkommen. Ich finde das ziemlich schlimm. Die einzige Ausnahme, die ich auch in Wien akzeptieren könnte: Dass eine solche Aufforderung nur für Belastungen im Kleinformat gilt.

via Medienlese

  • Share/Bookmark
Written by Ronni in: Persönlich,Spaziergang | Schlagwörter:, , ,

Powered by WordPress. Theme: TheBuckmaker.