Beste Wochenreste: Jubiläen sind zu begehen

In: Beste Wochenreste

Seit einem Monat bin ich wieder unter die Buchstabenschupfer zurückgekehrt und ich muss sagen, es fühlt sich gut an. Mein Schlafdefizit sowie meine Augenringe wachsen weiter, aber wie ich schon von männlicher Seiten gehört habe, werden Frauen mit dem Alter nicht schöner – Männer natürlich schon. (Dankeschön!) Im Sinne des zurückgekehrten Arbeitsalltages gibt es heute journalismuslastige Wochenreste.

Jubiläum für Quotenviecher
Am nächsten Freitag feiert mein Studiengang sein 10 Jahres-Jubiläum und ich freue mich schon sehr darauf, meine alten Studienkollegen, Lehrer und natürlich auch Graz zu sehen. Man kann Journalistenausbildungen so oder so sehen – Klaus Stimeder, ehemaliger Herausgeber des DATUM der jetzt als Journalist und Autor in New York lebt, hält in einem Interview mit dem Horizont nicht viel davon.

Die Mehrheit der Absol­venten dieser Hochschulen bildet reines Quotenvieh, das einzig dazu dient, den Status quo zu legitimieren und damit zu erhalten. Wer aber den Status quo der öster­reichischen Medienlandschaft nicht bekla­genswert findet, ist in meinen Augen ein ignoranter Idiot oder, noch schlimmer, ein Opportunist. Der einzige Sinn dieser Buden scheint mir heute in ihrer Funktion als Blasenmultiplikator zu bestehen, Motto: Dort lernt man die Leute kennen, die einem später Jobs geben.

Ich kann nicht verleugnen, dass ich auf der FH genau jene Leute kennengelernt habe, die mir später auch Jobs gegeben haben – darunter war auch ein Praktikumsangebot von Stimeder selbst… Trotzdem hat er nicht ganz unrecht, mit dem österreichische Journalismus steht es nicht besonders gut. Wer das ganze Interview lesen will, hier das PDF dazu. Heinz Wittenbrink, mein ehemaliger Online-Journalismus-Vortragende, hat eine Replik geschrieben.

Österreichs wahre Entscheidungsträger
Wenn man am österreichischen (Boulevard)-Journalismus verzweifelt, hilft immer wieder ein Blick über die Staatsgrenzen. Jederzeit eine gute Leseentscheidung ist die deutsche ZEIT. Besonders empfehlenswert ist es für Österreicher, sich den (zwar schon etwas älteren, aber noch immer aktuellen) Artikel über Peter Schröcksnadel und sein Imperium mit dem genialen Titel „Der Ski bin ich!“ durchzulesen. (Besonders in Hinblick auf meine baldige neue Heimat, in der im Februar die Ski-Weltmeisterschaften ausgetragen werden – dort kochen die Emotionen ja schon seit einiger Zeit hoch.) Wer ob der Bananenrepublik Österreich sehr depremiert ist, wendet sich der „Stimmt’s?“-Kolumne von Christoph Drösser zu, in der er alltägliche Leserfragen zu „urban legends“  intelligent beantwortet.

Homer wählt
Auch außerhalb Österreichs spielt die Politik verrückt – in den USA wird mal wieder ein Präsident gewählt. Natürlich darf auch eine dazugehörige Simpsons-Folge nicht fehlen:

Wie Babies gemacht werden
Ja, da kommt er schon wieder, der Babyeintrag, obwohl es geheißen hat, es wird keine geben. Zumindest stelle ich ihn ganz an das Ende, obwohl die liebe Tanja sich damit viel Mühe gegeben hat und wie ich finde ein entzückendes Video zusammengeschnitten hat. Herzliche Gratulation nochmals zu deiner Felicitas!

Hauptbild Quelle


Veronika

Veronika Höflehner ist freie Journalistin und Autorin, die es vor zwei Jahren in die Berge verschlagen hat. Neben interessanten Fundstücken aus dem Netz findet man hier Texte zu ihrem Leben als Stadtmensch in den Schladminger Tauern.


5 comments

  • cdw

    28. September 2012 at 23:31

    Ich werds nicht schaffen zum juhu-jubiläum. hätte mich aber schon gefreut, einige (wenige) leute wiederzusehen. Dich zum beispiel …

    Wie wirds das ablaufen? mein job, meine preise, meine follower auf twitter? Oder doch ganz anders? Macht was draus, jprjukler! Und richtet dem hmf aus, ein so aufgeblasenes programm sieht ihm ähnlich …

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  • Ronni

    2. Oktober 2012 at 19:35

    Lieber cdw, das ist SEHR schade, hätte dich auch sehr gerne wieder gesehen! (Vielleicht kommst ja mal nach Schladming zum Skifahren…)
    Ich nehms als „Klassentreffen“ und ignorier das Rundherum 😉

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  • Stefan Plank

    3. November 2012 at 22:48

    Herr und Frau Österreicher leiden an einer Wahrnehmungsverzerrung wenn sie unterwegs sind (der on the road Journalismus des www). Natürlich ist es anderswo immer besser, schöner, toller. Aber es ist eine Verleudnumgsstrategie vieler Exilierten, dass es anderswo so viel besser sei und man „eh“ alles daheim kennt. Irgendetwas braucht Herr und Frau Österreicher ja, dass man sich besser fühlt als andere. Wer seine eigene Herkunft verleugnet, hat halt ein typisches Inferioritäts/Größenwahn-Problem. Dazu ein Witz, den Paul Lendvai anlässlich einer Veranstaltung über Zensur in der Roten Bar im Volkstheater in Anwesenheit von Michael Frank (Auslandskorrespondent der Süddeutschen Zeitung in Wien, über Jahrzehnte), einer jungen Zeithistorikerin der Uni Wien u. a. Leuten erzählt hat:

    „Was ist der Unterschied zwischen einem Professor und einem Journalisten? Der Professor weisz am Anfang über wenig viel, der Journalist über Vieles wenig. Dann weisz der Professor über sehr wenig sehr viel, der Journalist über Sehr Vieles sehr wenig. Am Ende weisz der Professor über nichts alles, der Journalist über ALLES NICHTS.“

    In meiner Interpreation dieses Sujets, würde ich meinen heutzutage weisz jeder zehnjährige mehr als ich, wenn er bloß ein Smartphone mit Internetconnection in den Händen hat. Wirkliches Wissen ist aber immer Erfahrung in Verbindung mit Theorie. Das Internet bietet ja auch so etwas wie eine perfekte Illusion der Allgegenwärtigkeit (god eye´s view): da kann ich mir gleich die Weizberkirche als barockes Illusionstheater in einem Augenblick reinziehen oder auf you**** in fünf Minuten alles erledigt haben 🙂

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  • Ronni

    4. November 2012 at 08:59

    danke stefan, hast absolut recht! 🙂

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  • Name

    8. November 2012 at 13:42

    Nein, danke, ich will nicht Recht behalten. Franz Schuh hat auch kein Recht auf Eintritt in meine Wohnung, wenn er sich weiterhin mit einer Waffe im DATUM abbilden lässt, sei es eine Attrappe oder eine echte „Glock“, und Intellomist schreibt. Dazu ein Zitat zum Werbetext „Wien ist anders“, ich zitiere:


    Auch Wien.

    Geschichte als sinnvoll, folgerichtig oder gar als organisch zu loben, ist albern. Sie ist nichts weniger als das. Louis Armstrong war hier. Und erzeugte Raserei wie überall. Welche Raserei? Wessen Raserei?
    Da war in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts im protestantischen Amerika der ´Revivalismus`, das `Great Awakening´ ausgebrochen; dann war diese Erweckungsbewegung zu den Negersklaven der Südstaaten gedrungen und hatte sich mit den Ekstase-Resten aus deren Vergangenheit verbunden. Dann war, was aus dieser Mischung entstand, nach zweihundert Jahren schärfster Fermentierung in den Jazz übergegangen. Und nun, nach zweihundertfünzig Jahren, kommt dieses Produkt in das alte katholische Land Österreich. Und siehe da: obwohl die Elfenbeinküste hier total unbekannt ist, und obwohl die amerikanische Religiösität des achtzehnten Jahrhunderts hier fremder ist als fremd; obwohl chronologisch sowohl wie geographisch der Enthusiasmus reiner Wahnsinn ist – auch Wien rast.

    Günther Anders, Philosophische Stenogramme,
    1. Auflage 1965
    2. Auflage 1993
    3. unveränderte Auflage 2002

    Wo drückt der Schuh, XY?
    Wie ist es, einen Menschen zu töten?

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