Beste Wochenreste: Mach’s nochmal, Billy

In: Beste Wochenreste

Billy Wilder – so wird erzählt – hatte im Schlaf die besten Ideen. Weil er sie ständig vergaß, tappste er eines Nachtens im Pyjama in sein Arbeitszimmer und schrieb diese auf ein Blatt Papier. Als er am nächsten Morgen seine Filmidee begutachten wollte, stand dort nur: boy meets girl. Was ich damit sagen will: Die Geschichte wiederholt sich immer und immer wieder – die Frage ist nur, wie man sie interpretiert. EIn paar besondere Interpretationen gibt es heute auf dem Menüplan.

Gipfelsieg
Das Gefühl, wenn man am Gipfel eines Berges steht, ist etwas ganz Besonderes. Wenn es sich dabei um Giganten wie die Eiger-Nordwand oder einen der 8.000 in Nepal handelt, wahrscheinlich um das Vielfache besser. Eine etwas andere Geschichte der Eiger-Nordwandbesteigung hat Max Scharnigg in seinem Debüt-Roman behandelt, wie der Wiener-Online schreibt.

Journalist Nikol Nanz hat vor seiner Wohnungstür ein fremdes Paar Herrenschuhe entdeckt, obwohl er und seine Freundin keinerlei Beziehungen pflegen als die ihrige. Nanz’ Irritation erscheint verständlich, seine Reaktion schon weniger: Er versteckt sich unter der Treppe des Wohnhauses. Und beschließt, dort an seinem Text über die Erstbesteigung der Eiger-Nordwand zu arbeiten. Er verbringt Wochen unter der Treppe, er isst nicht, er trinkt nicht, er muss nicht aufs Klo – es scheint, als würde er nicht existieren. Erst ein alter Mann, der frühere Gletscherfotograf Schmuskatz, entdeckt Nanz und holt ihn zurück ins Leben. Ihm öffnet sich der Journalist, und plötzlich erhält auch der Text über die Erstbesteigung eine neue, ungeheure Spannung. Und dann beschließen die beiden Männer eine Besteigung des Treppenhauses zu wagen.

Teil 2 einmal anders
Das Schlimme an erfolgreichen Filmen sind ja meist ihre nachfolgenden Teile bzw. ihre Remakes. Ein Film, der dieses Schicksal bisher noch nicht erlitten hatte, ist einer meiner erklärten Lieblingsfilme: „When Harry meets Sally„. Das ist er schon alleine deswegen, weil Billy Christal vor Selbstironie nicht zurückschreckt und (besonders im englischen Original) die Dialoge vor Witz und Köpfchen sprühen. Auch wenn Teil 2 etwas aus den Fugen gerät, Christals Selbstironie ist wie eh und je vorhanden. (via Sascha)

Schreibroutine
Ich liebe den „Schreiben & Lesen“-Fragebogen des dtv-Magazins, denn dort werden Autoren zu ihren Arbeitsgewohnheiten befragt. Es ist ziemlich spannend, in welcher Umgebung Autoren schreiben können und welche Bücher sie lesen – das sagt oft mehr über sie aus als ein normales Interview. Im aktuellesten Fragebogen von David Abbott (dessen Debütroman ich hoffentlich bald zu lesen bekomme) beschreibt der Autor ein Phänomen, dass wir wohl alle nur allzu gut kennen:

Normalerweise sitze ich um Viertel nach neun an meinem Schreibtisch, rechtzeitig, um aus dem Fenster zu gucken, die Pflanzen in meinem winzigen Garten zu wässern, meine E-Mails durchzusehen, um meine Schuhe zu putzen, meinen Müll rauszutragen, ein paar Freunde anzurufen, ein Restaurant für den Lunch auszusuchen, meine Bücherregale zu durchstöbern und die Decke anzugucken – um mithin alles mögliche zu tun, womit sich das Schreiben hinauszögern lässt. Um etwa elf Uhr wird mein Schuldgefühl so stark, dass ich mich bis zum Lunch mit meinem Buch beschäftige.

Silhouetten im Laufe der Jahrhunderte
Wo, wenn nicht in der Mode lebt alles von Wiederholung und Neuinterpretation. Wie sehr das zutrifft, sieht man bei einem Blick auf folgende Grafik: (via LesMads)

Sachen zum Lachen
Und es gibt noch ein Revival: Die Muppets kommen wieder, meldet die NY-Times. Große Freude! Die ersten Videos auf YouTube zeigen, dass sie nichts von ihrem Charme verloren haben. Einmal Swedish-Chef bitte hier entlang (Video-Einbettung ist leider deaktiviert) (via Rupprecht)

P.S.: Auf Billy Wilders Grabstein steht übrigens: „I’m a writer, but then nobodys perfect“.


Veronika

Veronika Höflehner ist freie Journalistin und Autorin, die es vor zwei Jahren in die Berge verschlagen hat. Neben interessanten Fundstücken aus dem Netz findet man hier Texte zu ihrem Leben als Stadtmensch in den Schladminger Tauern.


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