Beste Wochenreste: Nah- und Fernblick

In: Beste Wochenreste

Ich beschäftigte mich momentan viel mit Marketingstrategien, deren Regeln bei genauerer Betrachtungsweise viel Allgemeingültiges in sich bergen. Zum Beispiel läuft man, so man „zu nah dran“ ist Gefahr, die Strategie nicht richtig durchführen zu können, ebensowenig, wenn man „zu weit weg von der Materie“ ist. In der Fotografie gilt dieser Ansatz zumindest nicht für jene Beispiele, die ich euch diese Woche zeigen möchte: Hier zeigen die Fotografen, dass sie sowohl mit Nah- als auch mit Fernblick einprägsame Momente einfangen können.

Nahe Staatsmänner
Serviert mir jemand die Stichworte „Time-Magazin“ und „Wladimir Putin-Foto“, weiß ich sofort, welches Bild gemeint ist. Jetzt weiß ich auch, dass hinter diesem ausdrucksstarken Porträit der Fotograf Platon steht. 2009 beauftragte ihn das Magazin New Yorker, in fünf Tagen 130 Staatschefs auf der UN-Hauptversammlung zu fotografieren. Seine Bilderserie über die Machtmenschen erscheint nun in dem Bildband Power Platon. (via DieZeit)

Unterschiedliche Kindheiten
Die Kindheit prägt einen Menschen, das hört man im Laufe seines Lebens wohl einige Male. Wie unterschiedlich diese Zeiten sein können, zeigt der Fotograf James Mollison mit einem Blick in Kinderzimmer rund um die Welt. Mit seiner Fotoserie „Where Children Sleep“ will er auf notleidende Kinder aufmerksam machen, ohne die üblichen Stereotypen zu verwenden. Das ist ihm meiner Meinung nach ausgezeichnet gelungen. (via New York Times)

Schlafende Bäume
Das passt jetzt zwar wie die Faust auf das Auge, aber trotzdem möchte ich euch diese Fotos meines absoluten Traumhotels (in Schweden, wo sonst) nicht vorenthalten. Die wunderbare Beschreibung sowie das Fundstück kommen von IGNANT.

Das Treehotel in Schweden nutzt jene Sehnsucht, dem Alltag hoch oben in den Baumwipfeln zu entfliehen und in einer Einheit mit der Natur zu sich selbst zu finden. In Harads, 60 km unterhalb des Polarkreises, in einem riesigen Areal, dass nur aus Wäldern und Seen besteht und kaum 600 Menschen ein zu Hause ist, haben Kent und Britta Lindvall 2010 ihr Baumhaushotel errichten lassen. Jedes der bislang sieben Häuser wurde von einem anderen Architekten designt und folgt einem individuellen Motiv. Der Mirrorcube beispielsweise, ist ein von außen verspiegelter Würfel, den man über eine Hängebrücke erreicht und dessen Design allein schon ein Meisterwerk ist, da es sich in Tarnoptik perfekt der Umgebung anpasst. The Cabin gibt dem Besucher von innen den Blick auf die Waldlandschaft durch verglaste Fensterfronten frei und lässt darauf hoffen wilde Tiere vorbeiziehen zu sehen, oder das Naturschauspiel der Polarlichter im Winter live mitzuerleben. Im Birds Nest, mit Strickleiterzugang, fühlen sich die Besucher in kreisrunder Architektur geborgen wie das Ei im Vogelhaus und im Ufo, dessen Scheinwerfer durch den dunklen Kiefernwald strahlen wie E.T.s Raumschiff im Landeanflug, werden echte Kindheitsträume wahr.

Schimmernde Berge
Wohin verschwinden eigentlich die ganzen CD- und DVD-Rohlinge, wenn jeder nur mehr mp3 verwendet? Nach Paris, wo Künstlerin Elise Morin und Architekt Clémence Eliard sechs Hügel ihrer ‘Wastelandscape’-Installation mit insgesamt 65.000 CDs bedeckt haben. In mühevoller Kleinstarbeit wurde dafür jede einzelne Scheibe von Hand sortiert und zusammengenäht. Noch bis zum 10. September 2011 kann man dieses schöne Abfallprodukt auf einer Fläche von 500 Quadratmetern in der Halle d’Aubervilliers bestaunen. (via IGNANT)


Veronika

Veronika Höflehner ist freie Journalistin und Autorin, die es vor zwei Jahren in die Berge verschlagen hat. Neben interessanten Fundstücken aus dem Netz findet man hier Texte zu ihrem Leben als Stadtmensch in den Schladminger Tauern.


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