Beste Wochenreste: Soviel zu erfahren, so wenig Zeit

In: Beste Wochenreste

Diese Woche ist eindeutig viel zu schnell vergangen. Auf meinem realen wie auf meinem virtuellen Schreibtisch stapelt sich das Lesematerial. Immer wieder überlege ich, meine Abos etwas auszudünnen. Zwar bin ich schon von der Tageszeitung auf zwei Wochenzeitungen, drei Monatsmagazine und drei Quartalsmagazine umgestiegen – aber komischerweise hat mir das nicht viel gebracht. (Da rede ich übrigens noch gar nicht vom Bücherstapel…) Vielleicht sollte ich einfach meine Kinder kündigen, das könnte die erwünschte Zeit wieder einbringen. Spaß beiseite, aus dem obengenannten Grund gibt es auch heute bei den Wochenresten einiges an Lesematerial – bunt durch meinen virtuellen Lesegarten.

Lernfreudig
Der Songcontest ist zu Ende und nun fängt das große Vergleichen und Interpretieren an. Besonders gut gefällt mir das Fazit der Grande Dame des österreichischen Journalismus, Anneliese Rohrer. Sie zieht den Hut vor Tom Neuwirth und seiner Kunstfigur Conchita Wurst. Ein Auszug daraus:

Hier sind fünf Dinge, die Junge von Tom Neuwirth lernen können:

  1. Ein ganz konkretes Ziel definieren und es penibel strategisch planen. Wie kann es erreicht werden? Welche Schritte sind notwendig? Das ganze Getöse der Umgebung von „zu ehrgeizig“, „zu schwierig“, „unmöglich“ einfach ausblenden. In Österreich sind die meisten Menschen ganz schnell mit negativen Ratschlägen zur Stelle und im Erfinden von Hindernissen sehr fantasievoll.
  2. Nie aufgeben. In einem Land wie Österreich, das keine Kultur des Scheiterns kennt und in dem jeder Rückschlag als finaler Beweis des Geht-Nicht-Kann-Nicht angesehen wird, bekommt sogar ein so abgedroschener Satz wie „Es ist nicht wichtig, wie oft Du hinfällst, sondern wie oft Du wieder aufstehst“ eine besondere Bedeutung.
  3. Notwendige Fähigkeiten erwerben. Tom Neuwirths englische Sprache zum Beispiel muss das Produkt einer ganz besonders intensive Anstrengung sein.  So akzentfrei und natürlich zu sprechen lernt man nicht nebenbei – schon gar nicht in einem Land, in dem der Bundeskanzler dem Vernehmen nach nur widerwillig bis gar nicht Termine mit ausländischen Besuchern wahrnimmt, weil sein Englisch nicht adäquat ist. Es ist kein Politiker in Erinnerung, der Englisch so beherrscht wie dieser junge Mann aus Bad Mitterndorf.
    […]

Reisefreudig
„Why let the men have all the fun??” fragt sich Appola Echino und steigt in ein Schiff Richtung Antarktis. Sie will Frauen Mut machen, alleine die Welt zu erkunden.

I have traveled extensively as a single woman. I had to learn on the go, the hard way, how to dress, how to behave, how to navigate crazy bus stations in a foreign language. I have been asked over and over again how I was able to travel safely as a ‘single’ woman. Beyond that, I want to show women that we have many options with travel. I would like to get more ladies out into the great wide open! This show will inspire the upwardly mobile career woman, the housewife and the trepid new single gal, who wants more from life.

Besonders gespannt bin ich schon auf ihre nächste Reise, die sie nach Afghanistan führt. Die Schönheit dieses Landes ist ja leider aufgrund seiner politischen Lage in den vergangenen Jahren in den Hintergrund getreten.

A Woman’s Guide to the World – Episode One from Apollonia Productions on Vimeo.

Ganz schön teuer
Millard Brown hat diese Woche wieder die Auflistung der 100 wertvollsten Marken der Welt. Wenig überraschend ist Apple an vorderster Front, gefolgt von Google und Microsoft. Spannend: Am 10.Platz residiert trotz massiver Antiraucher-Kampagnen Marlboro. Die wertvollste österreichische Marke ist – wie könnte es anders sein – Red Bull auf Platz 94. (Quelle)

bildschirmfoto_2015-05-27_um_11.23.27_ambrandz1_498x320

Statistisch ungerecht
Es ist das alte Spiel oder wie heißt dieses „wunderbare“ Sprichwort: Männer sind wie Wein, Frauen wie Milch? Das zeigt die amerikanische Filmindustrie dieser Tage besonders gut. Maggie Gyllenhal (37  Jahre) wurde abgelehnt, die FIlmgeliebte eines 55-Jährigen zu spielen. Und das ist leider keine Besonderheit. Vox hat sich die Mühe gemacht, das Alter der männlichen und weiblichen Protagonisten in den 15 erfolgreichsten Liebeskömodien gegenüberzustellen. Eine bezeichnende Liste – die durchschnittliche Altergrenze für Frauen in diesem Genre liegt bei 30 Jahren, bei Männern bei 37 Jahren.

hollywood_agesf6.0

Falsch interpretiert
Emojis sind die Sticker der digitalen Generation – nur das man eine unendliche Menge davon hat. Jetzt wird diskutiert, ob die bunten Gesichter die Fähigkeit haben, zur Weltsprache zu werden. Leider nein, sagt das Konsortium Unicode, denn schon jetzt würden gewisse beliebte Emojisfalsch interpretiert. Grund dafür ist der Ursprung in der japanischen Bildersprache, den Mangas. (Noch mehr Beispiele hier)

Zum Beispiel ist damit nicht traurig, sondern schläfrig gemeint. Schlafende Personen erzeugen etwa in Mangas Luftblasen, die aus der Nase aufsteigen.

sleepy

Habt ihr dieses schon als Ärger eingesetzt? Eigentlich steht der „Luftzug aus der Nase“ für Erhabenheit.

triumph

Kontaktfreudig
Kontaktanzeigen sind eine schwierige Sache – besonders je älter man wird. Der Norweger Alex Norgay hat das für seine Mutter Eva auf sehr süße Weise gelöst – Sie“Is Looking for Adam“.


Fotoquelle Headerbild


Veronika

Veronika Höflehner ist freie Journalistin und Autorin, die es vor zwei Jahren in die Berge verschlagen hat. Neben interessanten Fundstücken aus dem Netz findet man hier Texte zu ihrem Leben als Stadtmensch in den Schladminger Tauern.


1 comments

  • Almira

    28. Juni 2015 at 15:55

    Lernen von Tom Neuwirth und die österreichische „Erfolgsmentalität“ – wie wahr doch.
    Kleine Ergänzung/Verschärfung im Landleben: „was der Bauer net kennt …“
    Und leider ist der Horzont durch hohe Berge oft zusätzlich eingeschränkt. Seltsam eigentlich, bei dem berauschenden Ausblick von den Gipfeln …
    Ich versteh jetzt auf jeden Fall besser, warum ich mich immer wieder so mies fühle, wenn ich an sich nette Leute getroffen habe und ihnen erzählte von meinen (noch nicht erfolgreich umgesetzten) Vorhaben, an denen ich werke – die nicht so spektakulär sind wie die von Tom.
    Manchmal habe ich sogar das Gefühl: Mir wird Mitleid entgegengebracht, weil ich die Visionen aus meiner inneren Suche (und in manchen Situationen ist das die einzige Rettung) noch immer nicht gegen das wunschlose Unglück augetauscht habe.
    Macnhmal glaube ich auch einen Anflug von Neid zu erkennen, wenn ich gut drauf bin, obwohl es mir objektiv betrachtet eigentlich schlecht gehen müsste. Ist aber immer noch besser als das betretene Schweigen und der Themenwechsel, wenn ich zum Ausdruck bringe, dass ich nicht weiter weiß..
    Anerkennung, Ermutigung oder gar Unterstützung – welch seltene Juwelen.

    Antworten

Leave a comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.