Rezensiert: Claudia Rossbacher „Steirerkind“

In: Buchtipps

Seit etwas mehr als zwei Monaten bin ich nun weg aus der großen Stadt – richtig realisiert habe ich es noch nicht. Mehr als je kommt es mir in Rohrmoos eher wie in einem verlängerten Urlaub vor, was aber sicherlich nicht das schlechteste Gefühl ist. Was ich zumindest sagen kann ist, dass die Eigenheiten der Menschen in dieser Gegend sicherlich mehr als ein ganzes Buch füllen können. Wie praktisch, dass Autorin Claudia Rossbacher rechtzeitig zur Ski-WM einen Krimi herausgebracht hat, der nicht nur in Schladming und Umgebung, sondern auch noch während der Ski-WM spielt. Als Neo-Bergmensch blieb dieser aber leider weit hinter meinen Erwartungen zurück.

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First things first, hier der Klappentext: „Zwei Tage vor Beginn der Alpinen Ski-WM in Schladming wird eine Leiche unter der Eisdecke des Steirischen Bodensees gefunden. Es handelt sich dabei um den seit Wochen vermissten Cheftrainer des österreichischen Herrenskiteams. Prompt gerät der prominente Skiläufer Tobias Autischer unter Mordverdacht. Doch hat der WM-Favorit den Coach, der ihn von Kindheit an gefördert hatte, tatsächlich umgebracht? Sandra Mohr und Sascha Bergmann vom LKA in Graz ermitteln.“

Fehlender Lokalkolorit
Soweit so gut, kling ja recht spannend. Leider hat Claudia Rossbacher (die laut Klappentext in Wien lebt) ihren Roman auch aus dieser Außensicht geschrieben. Das fängt damit an, dass die in dem Buch vorhandenen Einheimischen – und das sind außer den Ermittelnden nahezu alle – nicht nur keine lokalen Namen tragen (sondern klar erfundene) und auch nicht obersteirisch, sondern Großteils das wienerische Idiom verwenden. Auch die Beschreibung der Gegend ist klar aus den Augen eines Besuchers geschrieben und fehlt an Details, die man (wahrscheinlich) nur im Alltag so sehen kann.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass mir ihr Schreibstil nicht gefällt – es fehlt an Lesefluß und Details. Beschreibungen der Umgebung bzw. der Landschaft – die es bei einem solchen Regionalkrimi meiner Meinung nach dringend braucht – sind nicht vorhanden. Zudem hat Rossbacher Hintergrunddetails zur Region manchmal so patschert eingebaut das es so wirkt, als wolle sie auch wirklich alle von ihr mühsam recherchierten Fakten unterbringen. Wenn die beiden Kriminalkommissare zum Beispiel das erste Mal den „Planet Planai“ betreten, erhalten sie eine kurze Einführung in das Gebäude der Hostess. Daraus könnte man eine schöne Konversation machen, stattdessen klingt es eher so, als hätte die Autorin die Presseaussendung zur Eröffnung des Gebäudes abgeschrieben. Außerdem stimmen ein paar Gebäudebeschreibungen nicht, was aber verschmerzlich ist, da sich in den vergangenen Monaten in Schladming sehr viele Dinge getan haben, die die Autorin zu dem Zeitpunkt des Schreibens wahrscheinlich nicht wissen konnte.

Spannender Plot mit konstruiertem Ende
Die Geschichte selbst überrascht jetzt nicht wirklich, hat alle aber alle notwendigen Zutaten für einen landläufigen Krimi dieser Tage: Sex, Eifersucht und Spielprobleme. In der Mitte des Buches wird es mal wirklich spannend, weil man sich absolut nicht mehr erklären kann, wer denn jetzt wirklich der Täter sein könnte. Die Auflösung selbst wirkt dann aber schon sehr an den Haaren herbeigezogen und kompliziert konstruiert. Außerdem ist sie sehr kurz gehalten und leitet gleich in Rossbachers nächstes Buch über. Was sicherlich interessant gewesen wäre, wären Details zum Skizirkus und zur WM vor Ort allgemein – zu diesem Thema hätte die Realität auch weit im Vorfeld bereits einiges an Stoff geboten.

Auftragsarbeit für Steiermark Tourismus?
Prinzipiell beschleicht mich bei der Lektüre von „Steirerkind“ immer wieder der Verdacht, dass es sich hier um eine Auftragsarbeit des steirischen Tourismusbüros oder dem ÖSV handelt. (Das Buch wurde übrigens in Schladming gemeinsam mit dem ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel präsentiert…) Der Roman wirkt recht schnell hingeschustert, damit er möglicherweise noch zur WM fertig wird. Auch die weichgespülten Sicht auf WM, Land und Sport im Buch selbst hat diesen Anschein. Natürlich muss ich dazusagen, dass ich noch kein anderes Buch der Autorin gelesen habe und daher keine Vergleiche über ihre Schreibeweise anstellen kann. Nach der Lektüre dieses Buches muss ich aber leider auch sagen, dass ich das auch nicht austesten werde…

Kleine Anmerkung: Im Gespräch mit den Oberösterreichischen Nachrichten erklärt Rossbacher, „dass ihr Roman in zeitlicher Umgebung der Ski-Weltmeisterschaft erscheint, ist Verkaufstaktik, die inhaltliche Nähe führt dazu, dass Schladming zumindest während der Weltmeisterschaft wieder so etwas wie einen Buchladen bekommt. Roßbacher: ‚In dieser Stadt gibt es ja gar keinen Buchhändler mehr, ,Steirerkind’ wird immerhin im WM-Shop gegenüber der Planai-Abfahrt zu kaufen sein, und ein Schladminger Trafikant hat mir versprochen, dass er es anbieten wird.'“. Das macht sie ja wieder ein bisschen sympathisch, das fehlende Buchgeschäft ist wirklich tragisch…


Veronika

Veronika Höflehner ist freie Journalistin und Autorin, die es vor zwei Jahren in die Berge verschlagen hat. Neben interessanten Fundstücken aus dem Netz findet man hier Texte zu ihrem Leben als Stadtmensch in den Schladminger Tauern.


4 comments

  • Johanna

    3. Februar 2013 at 14:50

    Man könnte es auch Buchverriss nennen… Ein weiteres Buch, das ich nicht lesen muss 🙂
    Es bleiben für das Dilemma 2 neue Tätigkeitsbereiche: selbst einen besseren Roman schreiben und/oder das fehlende Buchgeschäft selbst gründen und die Obersteirer zum Lesen bringen!

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  • Samuel Gyger

    3. Februar 2013 at 15:26

    Oder einfach akzeptieren das Buchgeschäfte heutzutage eigentlich unnötig sind da Sie länger brauchen als Amazon ein Buch für mich bereitzustellen. Als Idee könnte man irgendwie Ausstellungsstücke in einer Bibliothek machen und dann eine direkte Bestellung bei Amazon anbieten, inklusive der Weiterleitungsunterstützungen von Amazon.

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  • Christina

    3. Februar 2013 at 15:40

    Die Frau Rossbacher hat auch schon ein Buch geschrieben, das in meiner Heimat spielt (Steirerblut). Ich muss ehrlich sagen, dass ich es bis jetzt noch nicht gelesen habe – unter anderem weil ich es meiner Mutter gekauft habe, und sie sehr enttäuscht davon war. Auch sie hatte das Gefühl, dass es zwar als Regionalkrimi betitelt wurde, im Endeffekt aber eigentlich nicht viel von der Region zu sehen war. Einfach alles sehr oberflächlich… Deswegen wartet es immer noch in meinem Bücherregal darauf, gelesen zu werden. Und wird das wohl auch noch länger…

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  • Ronni

    5. Februar 2013 at 19:32

    @johanna tja, ist eigentlich nicht mein Stil – aber da war es wirklich gar nicht anders möglich. Eigentlich klingt beides gut 😉

    @samuel da kann ich mich nicht anschließen. Amazon ersetzt keine Beratung in einem tollen BUchgeschäft, außerdem können sie deswegen nur so billig sein, weil sie ihre Mitarbeiter ausbeuten. Nicht, dass ich amazon nicht auch nutze, aber wenn es ein geschäft geben würde…

    @christina na dann hat mich mein Gefühl nicht getäuscht. Das System scheint ja für die Dame gut zu funktionieren…

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