Alberto Tomba, Kuba und ein Schneebad

In: Landleben

Passend zum gestrigen Nationalfeiertag gibt es von mir wieder einen Eintrag zum Thema „steirische Gebirgsseele“, diesmal aus ganz persönlicher Sicht. Dieser Beitrag ist eine Auftragsarbeit für den besten Hüttenwirten ever, aber deswegen nicht weniger ernst gemeint.

Alberto Tomba, Kuba und ein Schneebad – alle guten Dinge sind drei

Wie sich eine Flachlanderin den Gebirgsmenschen annäherte und was die Hochwurzen dabei für eine Rolle spielte

Meine ersten Erlebnisse mit Schladming in der Kindheit waren flüchtig, aber deshalb nicht weniger tragend. Von der östlichen Steiermark in die Metropolen nördlich der Alpen führt der Weg der sparsamen Seelen (sparsam an Kilometer und Gebühren) nämlich nicht über die Autobahn, sondern durch das Ennstal. Zwischen zwei LKW eingezwängt, kutschierte man mich am Rücksitz durch liebliche Landschaften, die mir als (Durch-)Reisende voller ungenützter kindlicher Energie eher einerlei waren. Mit leichter Linkslage war ich am Autofenster nur damit beschäftigt, den Planai-Zielhang nicht zu verpassen – von schlauen Köpfen in der Wintersaison beleuchtet und dadurch bis in den späten Abend hinein sichtbar. Es schien, als ob hier jeden Abend das Weltcupfinale gestartet werden würde und ich nur den richtigen Moment abwarten müsste, um Alberto Tomba den Hang hinunterstürzen zu sehen.

Heimatverbunden und Schneebeseelt
Mein zweites Erlebnis mit Schladming fand auf einer Reise nach Kuba statt. Ich kann Ihnen sagen, ich kenne wenig andere Völker, die wie die Schladminger mit Stahlfingern an ihrer Heimat festhalten. Wenn jemand auf einem weißen Sandstrand unter einer Palme sitzt, mit den Füßen im aquamarinblauem Meer und einem Cocktail in der Hand und sehnlichst vom Winterbeginn auf der Hochwurzen spricht, dann wissen sie, dass sie sich das einmal persönlich anschauen müssen – oder, dass die Gebirgsmenschen in Schladming von Geburt an etwas Seltsames ins Essen gemischt bekommen.

Mein drittes Erlebnis sollte mein erster wirklicher Besuch in Schladming sein und der dessen Höhepunkt war nicht ohne Grund auf der Hochwurzen. Wenn sie einen absoluten Stadtmenschen zum ersten Mal in seinem Leben mit Schneetiefen über einem Fingerbreit in Berührung bringen, dürfen sich die Gebirgsmenschen nicht wundern, wenn jemand wie ich jedes Jahr mit einem breiten Grinsen hüfttief im Schnee herumhüpft.

Insidertipps
Nach diesen drei Erlebnissen – addiert zu Ihren Erfahrungen – können Sie wahrscheinlich gut verstehen, warum ich es mir seit dem Schneebad bereits das vierte Jahr als Dauergast in Rohrmoos und auf der Hochwurzen gemütlich mache. Sie werden hier wahrscheinlich niemanden treffen, der nicht gut über ihre Urlaubsdestination spricht. Unter der Hand – so von Nicht-Gebirgsmenschin zu Nicht-Gebirgsmenschen – möchte ich Ihnen trotzdem zwei Dinge mitgeben, die ihren Aufenthalt hier noch besser machen.

Erstens: Zwei Zischlaute machen Sie bereits zum kleinen Insider. Im Gebirgsmenschenmund wird nämlich aus der Hochwurzen ein „Wuschtzn“. Haben Sie dieses Vokabel verinnerlicht, geht es zweitens darum, unbeschadet die damit benannte Erhöhung zu besteigen, denn von Rohrmoos aus führen viele Wege auf die Hochwurzen und wieder hinunter.

Winterwanderweg statt „Spaziergang“
Während das Bergab im Sommer durch Go-Karts und im Winter durch Schlitten versüßt wird, ist das Bergauf trickreicher. Die gefälligste und sicherste Methode ist ohne Zweifel die Gondel. Die weitaus lohnenswertere ist dagegen natürlich jene, bei der man die Hochwurzen mit eigener Fußeskraft bezwingt. Aber Vorsicht: Wenn sie ein Einheimischer fragt, ob sie einen „Spaziergang“ auf die Hochwurzen machen möchte, seien sie vorsichtig und verlangen immer nach dem „Winterwanderweg“. Sonst kann es ihnen passieren, dass sie vier Stunden durchs Gestrüpp in der vertikalen nach oben keuchen.

Auf der Hochwurzen angekommen, kann Ihnen nicht mehr und nicht weniger passieren, als das sie einen wunderschöner Tag voller netter Menschen, gutem Essen und Schnee in Hülle und Fülle erleben. Und wenn sie eine blonde Frau hüfttief im Schnee stecken sehen, wundern Sie sich nicht. Sie hat ihre Freude damit.


Veronika

Veronika Höflehner ist freie Journalistin und Autorin, die es vor zwei Jahren in die Berge verschlagen hat. Neben interessanten Fundstücken aus dem Netz findet man hier Texte zu ihrem Leben als Stadtmensch in den Schladminger Tauern.


2 comments

  • Johanna

    27. Oktober 2010 at 18:33

    Wow, spätestens nach diesem Werbetext muss ich dringend auch mal nach Schladming 🙂 Wann wirst du hauptberuflich Werbefrau der Region???

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  • Ronni

    28. Oktober 2010 at 12:26

    Du bist jederzeit herzlich Willkommen! Was den PR-Job in Schladming angeht: Im Moment bleibt es bei reiner Nächstenliebe 😉

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