Was Bergmenschen von Stadtmenschen unterscheidet

In: Landleben

Die ersten zwei Jahre in meiner neuen Heimat habe ich dazu genützt, um mich der Bergwelt und ihren Einwohnern anzunähern. Der Prozess ist noch nicht ganz abgeschlossen, denn eines wurde schnell klar: Bergmenschen und Stadtmenschen sind verschieden. Hier meine – unvollständige und subjektive – Liste der Best-of-Unterscheidungen:

Namenlosigkeit
In der Stadt: Ist man EINE Frau
In den Bergen: Ist man die Frau VON

Grüßen
In der Stadt: Grüßt man nur den, den man kennt
In den Bergen: herrscht saisonales Grüßverhalten (In der Saison: Nur Bekannte; Off-Season: Jeden, dem man begegnet)

Arbeitsbeginn
In der Stadt: Zwischen 9 und 10 Uhr
In den Bergen: SEHR früh. Wer ein mittelgroßes Imageproblem möchte, grüßt um 9 Uhr mit „Guten Morgen“.

Kleidung
Der Mann in der Stadt trägt: Anzug und Krawatte; die neueste Mode; was ihm die Frau rauslegt; jeden Tag das Gleiche
Der Mann in den Bergen trägt: Entweder „echte“ Tracht (Lederhose & Trachtenjanker) oder „Sportler“-Tracht (Softshell-Jacke & Jeans) – oder einen Mix daraus

Trägt man eine neue Haube/Schal wird man
In der Stadt: Gefragt, wo man die gekauft hat
In den Bergen: Gefragt, ob man sie selbst gemacht hat

Frühlingsgefühle nutzen die Menschen…
…in der Stadt: Für einen Frühjahrsputz
…in den Bergen: Um mit Baggern auszurücken und großflächig umzubauen

Temperaturen für kurze Hosen und Spaghetti-Träger
In der Stadt: Ab 25 Grad und Sonnenschein
In den Bergen: Ab 20 Grad und wetterunabhängig („Laut Kalender ist es jetzt Sommer!“)

Geht man im Winter spazieren, muss man aufpassen…
…In der Stadt: dass man nicht von einem Auto überfahren wird.
…In den Bergen: dass man nicht von einem Skifahrer überfahren wird.

Postler
Hinterlassen in der Stadt: Grundsätzlich einen gelben Zettel
Hinterlassen in den Bergen: Grundsätzlich ALLE Pakete – egal ob groß oder klein, Werbegeschenk oder neuen Mac – direkt vor der Haustür

Auf die Frage: „Was gibt es Neues?“
Erzählt man in der Stadt: Was es Neues gibt.
Sagt man in den Bergen: „Nichts.“ – Egal was passiert ist.


Veronika

Veronika Höflehner ist freie Journalistin und Autorin, die es vor zwei Jahren in die Berge verschlagen hat. Neben interessanten Fundstücken aus dem Netz findet man hier Texte zu ihrem Leben als Stadtmensch in den Schladminger Tauern.


4 comments

  • Mela

    30. April 2015 at 10:48

    Yeah, ich freu mich, wieder mal was auf deinem Blog zu lesen! UND: Diese Punkte kann ich nur sowas von unterstreichen.

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  • Christina

    30. April 2015 at 12:44

    Yea, sehr gut auf den Punkt gebracht!!! Bitte mehr dieser Stories 🙂

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  • Stefan Plank

    22. Juni 2015 at 16:56

    Hallo Veronika! Also ich hab‘ heute mitten im 5ten (Wien) den Gebirgsburschen getroffen, er in blauer Jean und bunt bedrucktem schwarzem T-Shirt, ich in grauer Jean, grauem Long-Sleeve und grauer Kappe (also total asphaltangepasst => Tarnen und Täuschen in der Stadt). Ende Juli mutiere ich dann zum tarngrünfarbenen Weitwanderer. Liebe Grüße, Stefan

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  • Marie

    10. Mai 2017 at 12:10

    Genau auf den Punkt gebracht!!
    Liebe Grüße Marie

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