In der Hausfrauenfalle

In: Persönliches

Wir sind aufgeklärter denn je, und dennoch beschäftigen uns immer wieder die gleichen Themen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Gleichstellung von Frauen und Männern sind zwei solcher Großbaustellen. Wenn man sich nun als Paar dazu entscheidet, ein Kind zu bekommen, darf man zu diesen Themen selbst Hammer und Nägel in die Hand nehmen – oder sollte ich lieber sagen: Presslufthammer und Abrissbirne? Mit Kindern bleibt in jeglicher Hinsicht kein Stein auf dem anderen. Meine Erfahrung ist: Nie ist es schwieriger, gleichberechtigt zu agieren, als mit Kind.

Als Teenager war mir klar: Ich werde nie heiraten und Kinder bekommen. Ich will Karriere machen, erfolgreich und unabhängig sein. Zumindest damals  – beseelt feministischer Literatur und dem mehr als gut gemeinten Worten meiner Eltern, ich könnte alles werden, was ich will – war mir klar, dass ich es schaffen würde, dass mich mein Frausein nicht in meiner beruflichen Entwicklung behindern würde („Wer sich nicht wehrt, landet am Herd!“). Ich konnte genau wie Männer Karriere machen, erfolgreich sein und durch die Welt jetten. Wäre ich bei meinem Plan geblieben, hätte das vielleicht auch funktioniert.

Wenn die Biologie zuschlägt
Die Realität holte mich mit meinem ersten Kind ein. Irgendwann trifft man den Menschen, mit dem einfach alles passt und die Biologie treibt ihr feines Spielchen. Und plötzlich ist so ein kleines Würmchen alles, woran Frau denken kann. Und wenn das gewünschte Glück dann da ist, ist alles anders. Es hat sich mir nie ernsthaft die Frage gestellt, ob mein Mann oder ich beim Kind bleiben sollte. Natürlich war klar, dass er auch Karenzzeit in Anspruch nehmen würde und sich in die Erziehung einbringen würde, aber die Hauptarbeit würde auf mir lasten – auf meinen Wunsch. Ich hätte es mir einfach nicht vorstellen können, meine kleinen Buben nicht zu betreuen. Es fühlte sich einfach falsch an, sie „im Stich“ zu lassen (Die feinen unterschwelligen Botschaften, die man als Frau so mitbekommt…) Leider geht mit der Mutterrolle auch das Hausfrauendasein Hand in Hand. Derjenige, der „Zeit“ hat, sich ums Kind zu kümmern, kümmert sich natürlich auch um den Einkauf, die Wäsche, das Putzen, die Arzttermine etc. etc. Nach fünf Monaten in der Hausfrauenfalle war ich frustriert und gelangweilt. In einer Möbiusschleife gefangen zwischen dem Wunsch, eine gute Mutter zu sein (was für mich gleichbedeutend war, mit IMMER da zu sein und das Kind zu umsorgen) und der quälenden Frage: „Muss das wirklich alles sein?“

Ein Kind ist das Ende der Gleichberechtigung
Wenn man ein Kind hat, ist es unendlich schwieriger, ein gleichberechtigtes Leben zwischen Mann und Frau zu führen. Es ist nicht nur gesellschaftlich akzeptierter, sein (berufliches und privates) Leben als Frau hintenanzustellen, man hat auch selbst den Anspruch aus dem eigenen Verständnis heraus, ausschließlich für seine Kinder da zu sein. Ich kenne so viele gescheite und erfolgreiche Frauen, die den Schritt in das Muttersein gewagt haben und enttäuscht sind von dem gesellschaftlichen Korsett, in das sie damit gezwungen wurden. Mir stellte sich jeweils nach den ersten sechs Monaten der Geburt unserer beiden Söhne die Frage: Sollte man nicht auch als Frau die Chance haben, sich etwas vom eigenen Ich zu erhalten? Haben wir nicht auch unseren Kindern gegenüber die Verantwortung ihnen zu zeigen, wie man den Spagat schafft, zumindest einigermaßen seine eigenen Bedürfnissen und auch die seiner Familie zu befriedigen? Kinder verstehen es nicht, wenn man jammert, das man etwas „ihretwegen“ macht. Sie ahmen das nach, was ihnen Tag um Tag vorlebt. Und wenn man seine eigenen Bedürfnisse und seine eigene Entwicklung so hintenanstellt, dass sie nicht existent sind, lernen sie wohl kaum, wie man gut mit sich selbst umgeht. (Hier sollte ich vielleicht hinzufügen, dass mir meine Arbeit einerseits viel Spaß macht und mein Mann und ich neben unserem „Brotjob“ jeweils noch ein Herzensprojekt verfolgen, dass uns in unserer persönlichen Entwicklung wichtig ist.)

Wie können wir alle einigermaßen zufrieden sein?
Da war sie nun also. Die Challenge, über die es es unzählige Bücher, Artikel und Foreneinträge gibt: Die Vereinbarkeit von Kind und Beruf, die Aufteilung zwischen Mutter und Vater, zwischen seinen Kindern und der persönlichen (beruflichen) Weiterentwicklung. „Es muss doch irgendwie möglich sein, dass wir beide arbeiten können und zwei Kinder haben?“ Vor dieser Frage standen wir nicht nur einmal. Wir wollen Kinder haben, also kümmern wir uns auch beide darum. Und damit startet die Planerei: Mein Mann arbeitet 32 Stunden, ich 25 Stunden die Woche, außerdem koordinieren wir berufliche Termine, die uns in andere Städte führen wie auch Abendveranstaltungen zum berühmten „Netzwerken“. Wir versuchen tagtäglich gemeinsam, unsere Kinder sowie auch unsere beruflichen Träume zu hegen und zu pflegen (und auch noch Haushalt & Garten einigermaßen in Schuss zu halten) und ich muss sagen: Wir schaffen es jeden Tag ein bisschen und scheitern gleichzeitig jeden Tag auch ein bisschen.

Zusammen statt gegeneinander
Auf der anderen Seite haben wir beide das große Glück, unsere Kinder gleichermaßen aufwachsen zu sehen, sie lieben uns nahezu gleich (kommt drauf an, wer die Schokolade in der Hand hat) und mein Mann und ich verstehen uns in unserer Situation bedeutend besser. Anstatt sich an verschiedenen Fronten zu sehen („Ich bin den ganzen Tag alleine mit den Kindern und du hilfst mir nicht.“ „Ich hab soviel Arbeit und du jammerst mich auch noch an“) hat man die gleichen Probleme (Zu wenig Zeit, zu viele Dinge, die man machen möchte). Dadurch, dass in unser Leben durch die vielen Baustellen kein lähmender Alltagstrott einkehrt, bin ich (die meiste Zeit) geforderter und ausgeglichener. Und jede Mutter weiß: Ist man selbst gut drauf, sind es auch die Kinder. Auch wenn wie Nabelschnur durchtrennt ist, gibt es so viele andere Bereiche, in denen man mit seinem Nachwuchs aufs engste verbunden ist.

Immer wieder Mutter
Was hier vielleicht noch der Vollständigkeit hinzugefügt werden sollte: Ich würde immer wieder Mutter werden wollen, gerade weil Kinder das Leben auf so viele Arten und Weisen bereichern. Ich bin unendlich froh, unsere zwei gesunden Jungs durchs Leben zu begleiten und habe durch meine Rolle als Mutter (das kann ich in Jahr 4 schon sagen) viel über mich selbst gelernt und bin daran gewachsen. Denn nicht zuletzt sind Kinder ein wunderbarer Spiegel und zeigen einem sehr gut, an welchen Macken man arbeiten sollte. Kinder haben es verdient, dass man sich intensiv um sie kümmert, sonst braucht man keine zu haben. Aber man ist es ihnen und auch sich selbst schuldig, dass man sich selbst nicht dabei vergisst.


Veronika

Veronika Höflehner ist freie Journalistin und Autorin, die es vor zwei Jahren in die Berge verschlagen hat. Neben interessanten Fundstücken aus dem Netz findet man hier Texte zu ihrem Leben als Stadtmensch in den Schladminger Tauern.


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2 comments

  • Hilde Unterberger

    10. November 2016 at 09:48

    Liebe Veronika!
    Was bin ich froh, dass du immer wieder trotz Doppelbelastung da oben auf deinem HOCHSITZ thronst und über die Dinge des täglichen Lebens einer Frau zwischen Beruf und Familie nachdenkst… Ich kann das, was du schreibst, nur unterstreichen und finde im übrigen, soweit ich das beurteilen kann, dass du/ihr das ohnehin bravourös mach(s)t!!! Weiter so… nicht unterkriegen lassen und darüber reflektieren … und deine Buben werden größer und größer!

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  • Veronika

    10. November 2016 at 15:07

    Liebe Hilde, herzlichen Dank für deine lieben Worte!

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