Von Las Vegas bis San Francisco – Vom Besten das Meiste

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Eine Reise der Superlative – mit diesen geflügelten Worten lässt sich unser zweiwöchige Roadtrip im Westen der USA am besten beschreiben. Was den Amerikanern an Geschichte fehlt, holen sie in Form von Natur auf: Ich habe bisher kein Fleckchen Erde gesehen, dass so viele atemberaubende und unterschiedliche Naturschauspiele nebeneinander zu Stande bringt wie Arizona, Nevada und vor allem Kalifornien. Drei Wochen verbrachten wir ingesamt in den USA – die Hochzeit einer ganz besonderen Frau in New York hat den Ausschlag für diese Reise gegeben. Nachdem es aber bereits viele ausgezeichnete Einträge über New York gibt, dreht sich auf AmHochsitz alles um unsere einzigartige Reise von Las Vegas bis San Francisco.

Las Vegas

Las Vegas scheidet die Geister – entweder man liebt es, oder man hasst es. Gerade einmal vor 100 Jahren wurde diese Stadt in der Wüste aus dem Nichts gestampft und genauso künstlich wie sie entstanden ist, ist sie auch. Auf dem „Strip“ (quasi die Hauptstraße von LV), an dem sich ein riesiger Hotelkomplex an den nächsten reiht, fühlt man sich wie in ein surreales Disneyland für Erwachsene versetzt: Links und rechts finden sich hier bunt zusammengewürfelt Märchenschlösser, Pyramiden, der Eiffelturm, die Kanäle von Venedig, der Trevi-Brunnen und die Skyline von New York. Im Inneren jedes Hotels erwartet die Eintretenden eine eigene Welt, in der jeweilig gewählten Thematik umgesetzt – natürlich nicht ohne das obligate hauseigene Kasino. Während man also zum Beispiel in „New York, New York“ durch das East Village schlendert und sich einen Latte beim Starbucks holt, kann man sein Geld an der „Sex and the City“-Slotmaschine einheizen oder die Skyline via Rollercoaster bewundern. Was sich jetzt romantisch anhört wird durch den Fakt empfindlich gestört, dass hier alles von der schönen Fassade über die einzelnen Häuser im Inneren bis hin zum Rasen vor den Toren aus Plastik ist. Außerdem sollte mandas Haus in Las Vegas niemals ohne Kreditkarte verlassen, „money makes the world go round“ trifft es nirgendwo besser als hier.

Unbedingt:

  • eine Show ansehen (günstige Tickets bei „Tix4tonight“, mehrere Verkausfsstellen direkt am Strip)
  • Frühstücksbuffet in Paris, Paris (alles was das Herz begehrt und mehr)
  • in die einzelnen Hotels hineingehen und durch die bunten Welten schlendern

Grand Canyon

Kein einziges Bild auf unserer Kamera kommt annähernd an die Faszination heran, die man beim Betrachten dieses Weltwunders empfindet. Wir hatten das Glück, recht früh in der Saison vor Ort zu sein um sowohl mit angenehmen Temperaturen, als auch einem geringen Besucherstrom gesegnet zu sein. Nachdem die Zeit recht knapp bemessen war, haben wir es trotzdem nur bei kürzeren Wanderungen in und entlang des Canyons belassen – was aber an sich schon ein Abenteuer war. Für alle, die nicht so gut zu Fuß sind, gibt es zwischen den schönsten Aussichtspunkten kostenlose Shuttlebusse.

Unbedingt:

  • Wanderung vom Südende bis zum Nordende des Grand Canyon mit Übernachtung neben dem Fluss machen (Reservierung bis zu einem Jahr vorher notwendig!)
  • Sonnenuntergang bei Desert View beobachten

Death Valley

Das Ansehen von Cowboys ist nach meinem Besuch in Death Valley um ein vielfaches gestiegen. Bereits der erste Atemzug in dieser wahrhaft verlassenen Gegend scheint jegliche Flüssigkeit im Körper in Sekundenschnelle verdunsten zu lassen, die Sonne knallt unbarmherzig auf das Gesicht und weit und breit sieht man nur Geröll und Gestrüpp. Mit 45 Grad war es laut Einheimischen noch „kühl“, für uns Alpenländler aber nahezu unerträglich. Trotz alledem gibt es allerhand Faszinierendes zu sehen – wie zum Beispiel den tiefsten Punkt der USA, Badwater. Dabei handelt es sich um einen riesigen ausgetrockneten See, von dem nur mehr die Salzkristalle zeugen und auf dem Autohersteller regelmäßig ihre Speed- und Hitzetests machen. Oder auch die wunderschönen versteinerten Sandlandschaften des Golden Canyons, den man auf dem Weg zu Zabriskie Point durchwandert – wenn man um 5 Uhr morgens mit der Wanderung beginnt, ist es nicht nur temperaturmäßig einigermaßen erträglich, dann macht auch der Sonnenaufgang die unterschiedlichen Farben der Wüste besonders malerisch.

Unbedingt:

  • Wanderung durch den Golden Canyon und Red Dome hinauf zu Zabriskie Point
  • Übernachtung und Steakessen auf der Furnace Creek Ranch
  • Über die Salzlandschaft von Badwater spazieren

Mammoth Lakes, Mono Lake, Bodie

Bei 45 Grad im Schatten haben wir Death Valley verlassen, um 5 Stunden und 2000 Höhenmeter später bei 12 Grad im kniehohen Schnee von Mammoth Lakes zu stapfen. Spätestens dann war uns klar, dass Kalifornien weit mehr ist als Baywatch, LA und Hollywood. Das Gebirgsmassiv der Sierra Nevada teilt dieses „Bundesland“ und macht es zu einem der vielfältigsten Orte, die ich jemals gesehen habe. Auf der einen Seite befindet sich Death Valley und das wunderschöne Skigebiet Mammoth Lakes, auf der anderen Seite die Nationalparks Yosemite, Sequoia und die ebenfalls wunderschöne Küstenlandschaft zwischen Los Angeles und San Francisco. Mammoth Lakes konnte in diesem Winter den Schnee des Jahrhunderts verzeichnen – bei unserem Besuch im Juni hätten wir noch ohne Probleme mehrere Abfahrten wagen können. Stattdessen haben wir den naheliegenden Salzwassersee Mono Lake mit seinen schönen Salzsäulen sowie die verlassene Goldgräberstadt Bodie angesehen.

Unbedingt:

  • Einen Skitag in Mammoth Lakes einplanen und abends einen Burger in Burgers Restaurant essen
  • Zum südlichen Teil des Mono Lake fahren, das westlich gelegene Service-Center direkt am Highway ist nur halb so schön

Yosemite National Park

Auch wenn uns aufgrund des Jahrhundertwinters der Weg über den berühmten Tioga-Pass verwehrt blieb, war der Sonora-Pass weiter im Norden eine ausgezeichnete Alternative. So muss wohl das Paradies für Bergmenschen aussehen, wenn meterhoher Schnee und zerklüftete Bergmassive den Weg säumen. Das Gefühl, in einer Märchenwelt zu sein begleitete uns noch weiterhin, denn auch wenn die Hügel zwischendurch sanfter wurden, der Yosemite Nationalpark sucht in seiner Schönheit seinesgleichen. Wer jemals den Zeichentrickfilm „In einem Land vor unserer Zeit“ gesehen hat, muss bei dem Anblick sofort an das paradiesische Tal denken, dass die kleinen Dinosaurier so verzweifelt gesucht haben. Zwischen den 2.700 Jahre alten Mammutbäumen im Süden des Parks hat man sofort das Gefühl, gleich um die Ecke einem ihrer Artgenossen zu begegnen. Nachdem wir zur Schneeschmelze in Yosemite waren, konnten wir zusätzlich noch die gigantischen Wasserfälle in ihrer vollen Pracht erleben. Die Wanderung zum Ausgangspunkt des höchsten Wasserfalls der USA – den Yosemite Falls – war dann noch das Sahnehäubchen auf der Torte.

Unbedingt:

  • Über den Tioga- oder Sonora-Pass zu Yosemite fahren
  • Die Gastfreundschaft von Brenda und John Eppler in der Sierra Mountain Lodge genießen (Achtung, lange Anfahrtszeit in den Park)
  • Eine Wanderung in Yosemite machen (Glacier Point, Yosemite Falls o.ä.)
  • Aussicht vom Tunnel View und Glacier Point bei Sonnenaufgang oder -untergang genießen
  • Die Mammutbäume im Süden (Mariposa Grove) bestaunen

Big Sur, 17 Miles Drive

Nach zwei Tagen in Yosemite Park waren wir felsenfest überzeugt, dass uns nichts mehr so gut gefallen könnte wie die Aussicht von Glacier Point. Aber es wäre nicht Kalifornien, wenn dieses Land nicht noch weitere Naturschauspiele auf Lager hätte: So gehört das Küstengebiet rund um Big Sur eindeutig in diese Kategorie. Rosamunde Pilcher könnte ihre Klippengeschichten hier ausquartieren, denn noch schöner kann man eine Küstenladschaft wohl kaum gestalten. Die Dame müsste nicht einmal das Wetter groß anpassen, denn Nebel und konstante 19 Grad beherrschen diese Region. Kein Wunder also, dass man hier außer den Seelöwen keine Schwimmer sieht. Aber: Die wilde Schönheit des Pazifiks lässt sich ohnehin besser vom Strand aus beobachten.

Unbedingt:

  • Fischessen in Pacific Grove im Passionfish
  • Den gut versteckten Pfeiffer Beach finden und dort die Wellen bestaunen
  • Den 17 Miles Drive (ein wunderschönes Naturschutzgebiet mit schicken Villen und dazugehörigen Golfplatz) befahren
  • Mit Seelöwen auf du und du sein – während sie sich am 17 Miles Drive auf einem Stein weit draußen vor den Touristen verstecken, sieht man sie am Highway 1 auf Höhe Moss Landing (Restaurant Sea Harvest) aus der Nähe

San Francisco

Nach drei Wochen unterwegs war es kein Wunder, dass uns in den letzten zwei Tagen die Luft für große Erkundungstouren gefehlt hat. Was ich aber sehr wohl von San Francisco mitnehme: Die weltoffene Einstellung, die ab der ersten Sekunde sichtbar ist; die netten viktorianischen Häuser und Nachbarschaften rund um Nob Hill und das lässig-abgefuckte Soma-Viertel, in dem man ausgezeichnet einkaufen und fortgehen kann.

Unbedingt:

  • Für alle Geeks: Auf dem Weg nach San Francisco Google, Apple und der Stanford University einen Besuch abstatten
  • Ein Fahrrad ausborgen und über die Golden Gate Bridge fahren
  • Essen im Cliff House mit Aussicht auf den Ozean
  • Ins Thai-Restaurant „Basil“ im Soma-Viertel gehen

Tipps für alle, die Lust auf einen USA-Roadtrip bekommen haben:

  • Beim Leihauto sollte man lieber etwas mehr zahlen, denn die Wege zu den schönsten Plätzen sind nicht unbedingt asphaltiert, außerdem setzt man dem Auto mit vielen Passüberquerungen, Wüsten und Nationalparks ziemlich zu. Mit der Standardausführung ist man gut bedient, unbedingt darauf achten, dass GPS und Tempomat sowie unlimitierte Meilen inkludiert sind. Es kann nämlich ganz leicht passieren, dass man 150 Kilometer geradeausfährt…

  • Die amerikanischen Nationalparks sind ausgezeichnet organisiert, meist gibt es dort ein Shuttlesystem und gut ausgebaute Wanderwege. Weil die Landschaft so schön ist, sollte man unbedingt früh genug eine Unterkunft reservieren und die Haupturlaubszeiten meiden – sonst hat man von den Naturschauspielen nicht viel. Es zahlt sich aus, sich im Vorhinein über etwaige Vorträge oder besondere Führungen zu informieren, die meist kostenlos von Rangern durchgeführt werden.
  • Die Amerikaner sind ein sehr serviceorientiertes Volk, egal ob es sich um Extrawünsche bei der Bestellung oder Fragen zu jeglichen Sightseeing-Plätzen handelt – nachfragen ist absolut erwünscht! An schönen Plätzen wie in Nationalparks etc. sollte man sich unbedingt an der Rezeption nach den Sonnenaufgangs- und untergangszeiten erkundigen – das Licht macht die Landschaft noch schöner.
  • Und zu guter Letzt: Als Europäer unterschätzt man die Entfernungen zwischen den einzelnen Orten. Wir haben innerhalb einer Woche knapp 3.000 Kilometer zurückgelegt, obwohl wir unsere Route sehr genau geplant und etwaige Umwege vermieden haben. Damit man das Land in seiner ganzen Schönheit auch richtig fassen kann, sollte man unbedingt genügend Ruhephasen einplanen.

Veronika

Veronika Höflehner ist freie Journalistin und Autorin, die es vor zwei Jahren in die Berge verschlagen hat. Neben interessanten Fundstücken aus dem Netz findet man hier Texte zu ihrem Leben als Stadtmensch in den Schladminger Tauern.


8 comments

  • ph

    29. Juni 2011 at 13:16

    Sehr schöner Bericht!
    Ich war in den letzten vier Wochen selbst bei meinem Bruder (Auslandssemester an der San Diego State University) und auch wir haben die Westküste bereist.

    Deine Eindrücke zu Las Vegas (wir waren bei David Copperfield), dem Grand Canyon und Yosemite (wir sind bis zu den Nevada Falls gewandert) decken sich nahezu mit meinen.

    Da wir noch weiter im Süden Kaliforniens unterwegs waren kann ich zu San Franzisco noch sagen, dass es irgendwie auch »europäischer« ist. Den wirklichen Sunny-Surfer-Staat erlebt man entlang der Küste dorthin: San Diego, Los Angeles, Malibu, Santa Cruz, Santa Barbara.

    Sollte ich ein einzelnes Wort für den Urlaub finden, dann wäre es wohl »groß«.
    Große Städte, große Natur, große Autobahnen, große Portionen beim Essen … alles einfach groß 🙂

    Burger allerdings kann ich im Moment nicht mehr sehen 😉

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  • Fanfarella

    29. Juni 2011 at 15:30

    schau mir grad zum gefühlten 67. mal deinen post an 😀 danke nochmals für die tipps, die du mir noch zusätzlich via mail gegeben hast… kanns kaum erwarten bis es auch für mich im oktober nach kalifornien/nevada geht!

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  • Ronni

    30. Juni 2011 at 12:43

    @ph groß triffts wirklich sehr gut! Leider ist sich der Süden bei uns nicht mehr ausgegangen, aber die vielen Burger, die haben wir auch geschafft 😉

    @fanfarella sehr gerne! wenn du noch fragen hast, immer her damit… eine gute recherchequelle ist übrigens auch das deutsche USA-Forum http://www.usa-reise.de/forum/

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  • G

    30. Juni 2011 at 16:21

    Das weckt Erinnerungen an das Buch bzw. den Film „Into the Wild“, auch irgendwie passend und erst seit kurzem im Handel: perlentaucher.de/buch/36248.html

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  • Mela

    30. Juni 2011 at 20:19

    Sehr toller Bericht, weckt gleich wieder den Reisedrang in mir 😉 Ist zugegeben nicht schwer, aber die Fotos machen Lust auf San Francisco und Co.

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  • Ronni

    1. Juli 2011 at 13:19

    @g danke, das ist ein guter tipp, muss ich mir gleich anschauen

    @mela hehe, das ist wirklich nicht schwer mit dem Reisefieber 😉 Aber freut mich, wenn es dir gefällt…

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  • Florian Liehr

    3. August 2012 at 19:47

    Lustig. Durch Zufall diese Seite entdeckt. Jetzt hab ich mich grad drüber amüsiert, dass ich von meiner USA Reise (letztes Jahr August) fast genau die gleichen Fotos hab, weil ich genau an den gleichen Plätzen war. Sogar in der gleichen Reihenfolge.

    Super Bericht und schöne Fotos!

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  • Ronni

    31. August 2012 at 08:26

    Tja, so ist das mit den empfohlenen Routen! Aber danke 🙂

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