Bloggen bei Heifi: Wie authentisch sind Politiker?

In: Stadtleben, Wunderbare WWW-Welt

In meiner kurzen Zeit als Chronikjournalistin habe ich einige Politiker kennengelernt, aber immer bei mehr oder minder formellen Anläßen. So ein Wahlkampfauftakt ist da schon ein ganz anderes Kaliber, was ich beim gestrigen Abend für Heinz Fischer selbst erleben durfte.

Peinlicher Beginn
Die Veranstaltung im MAK selbst verlief nach altbekanntem österreichischen Konzept, dass sich zwar an amerikanische Wahlveranstaltungen anlehnt, aber immer mit der Prise Peinlichkeit gewürzt. Denn als erster Programmpunkt wurden zwei kleine Mädchen beauftragt, Heinz Fischer plus Margit doch vor dem Saal „abzuholen“. Da schritten sie also Hand in Hand mit zwei blonden Mädchen zu Konservenmusik und belagert von rund 20 Journalisten (was sich den Abend lang nicht ändern sollte) zur Bühne.

Passable Reden
Was danach folgte, war aber durchaus passabel. Nach der Rede Faymanns (Fischer biete eine „klare Haltung und Sicherheit für eine schwierige Zeit“= Wirtschaftskrise) folgte ein Teil des Personenkomitees, das den Wahlkampf des als unabhängig deklarierten Fischer unterstützt. Da standen also Hugo Portisch, Christine Nöstlinger, Freda Meissner-Blau und Konsorten und konnten glaubwürdig versichern, warum denn Heinz Fischer die richtige Entscheidung ist (obwohl in diesem Saal niemand mehr überzeugt werden musste). Dessen nachfolgende Rede war dagegen eher weniger mitreißend – wohl auch seinem Naturell entsprechend – wohl aber voll gut gemeinter Worte, denn nicht zuletzt zitierte er aus der Charta für Menschenrechte. Der letzte Satz wurde ihm dann vom Redenschreiber für alle Medien zitierfähig perfekt in den Mund gelegt: „Nützen Sie das Wahlrecht, wählen Sie nicht weiß, sondern rot-weiß-rot für die Zukunft unseres Landes.“

Heifi redet mit dir – aber nur vor 20 Kameras
Warum ich in der Überschrift aber die Authentizität von Politikern anzweifle, ist leicht erklärt: Zum Heifi2010-Umtrunk ins Badeschiff (organisiert von der SPÖ) wurden vornehmlich junge Leute und Unterstützer eingeladen. Der amtierende Bundespräsident anscheinend auch, denn er erschien ca. eine Stunde nach seiner offziellen Rede, um mit „der Jugend“ zu sprechen. Treu an seiner Seite zirka 25 Journalisten mit Kameras, die alles niederwalzen, was ihnen in den Weg kommt. Da setzt sich also Heinz Fischer zu dir an den Tisch und will wissen, was dich bewegt – umgeben von 25 Kameras, die alle Bewegungen einfangen. Um was geht es dann da in erster Linie? Darum, dass UHBP (Unser Herr BundesPräsident) mit den Menschen redet, oder dass er den Kameras zeigt, dass er mit Menschen redet? Mein Gespräch mit Heinz Fischer dauerte ca. 15 Sekunden und war genauso anregend wie ein durchnschnittliches Liftgespräch. Nachdem er den Großteil der Tische abgegrast hat, ist er weg und mit ihm auch die Journalisten.

Mensch oder Motiv?
Was ich mir sicher bin: Heinz Fischer ist ein netter Mann und er liebt seine Frau. Das sieht man einfach und das finde ich auch sympathisch – ich bin halt eine typisch weibliche Wählerin, sowas zählt. Bei dieser Wahl gibt es auch nicht wirklich eine Alternative (in keinem Fall, egal wie man die ame dreht, wendet oder verschönern will). Doch wie so ein Wahlkampf im Generellen geführt wird, hinterlässt bei mir als unbedarften Menschen einen schalen Nachgeschmack. Wie schon in der Einleitung erwähnt, kenne ich Politiker nur von Pressekonferenzen, wo alles eher recht ratz-fatz professionell abgeht, hier wird stattdessen für die Kameras Volksnähe inszeniert. Nicht zuletzt ist es natürlich auch ein Medienmechanismus, der hier befriedigt wird (weil die notwendigen Bilder geliefert werden müssen), dennoch habe ich mich an diesem Abend eher als passendes Motiv, als als mündiger Wähler gefühlt. Trägt zwar im Endeffekt nichts zu meiner Wahlentscheidung bei (die schon vorher feststand), lässt mich aber noch mehr an der Glaubwürdigkeit von Politikern zweifeln.

Wie ich übrigens zu diesem Thema komme? Ich bin folgender Einladung gefolgt.


Veronika

Veronika Höflehner ist freie Journalistin und Autorin, die es vor zwei Jahren in die Berge verschlagen hat. Neben interessanten Fundstücken aus dem Netz findet man hier Texte zu ihrem Leben als Stadtmensch in den Schladminger Tauern.


3 comments

  • Heinz Fischer for President? | eloquent.at

    30. März 2010 at 21:27

    […] nun davon berichten? Im Großen und Ganzen decken sich meine Eindrücke mit denen von der lieben Veronika. Der offizielle Teil im MAK war, nun ja, ein bißl fad für meine Wenigkeit, mit einer Brise […]

    Antworten

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