Meine liebsten Ausflüge in und um Wien

In: Stadtleben

Meine letzte Woche in Wien bricht heran und ich habe es neben Arbeit, Umzugstätigkeiten und anderen „Kleinigkeiten“ geschafft, nichts von dem zu machen, was ich mir eigentlich vorgenommen habe. Dafür habe ich in den vergangenen sechs Jahren davor umso mehr erkundet und genossen. Quasi als kleinen Abschiedssalut für Wien gibt es heute meine liebsten Ausflüge zu Fuß, mit Rad und Auto in und um Wien – für alle, die neben der Urbanität auch ein bisschen Natur genießen wollen.

Spaziergang auf den Hermannskogel
Auch Wien hat Berge, wenn auch nur sehr flache. Der höchste ist der Hermannskogel, der sich ganze 542 Meter in die Höhe streckt – vielleicht sollte man auch noch die 27 Meter der darauf befindlichen Habsburgerwarte dazurechnen. Der „Aufstieg“ zum Hermannskogel ist vor allem im Herbst zu empfehlen, wenn die Blätter des Laubwaldes – durch den man die meiste Zeit geht – schön verfärbt sind. Von Anfang April bis Ende Oktober ist es möglich, die Warte selbst zu begehen, wobei es bei schönem Wetter einen wunderbaren Weitblick über Wien und Niederösterreich (siehe Foto) gibt. Alles in allem einfach ein gemütlicher Sonntagsspaziergang, wenn man als Ausgangspunkt den Grüß-di-a-Gott-Wirt wählt.

Donauinselrunde mit dem Rad
Die Donauinsel ist eine Wiener Mileustudie auf rund 21 Kilometer und auf jeden Fall einen Besuch Wert. Während es ganz im Süden beim Ölhafen Lobau (siehe Foto) eher industriell zugeht, befindet man sich nach dem Wasserkraftwerk Freudenau in einem schönen naturbelassenen Teil mit dem klingenen Namen „Toter Grund“. Zart beseitete Gemüter sollten zwischen dem linken Hochwasserdamm auf der anderen Seite meiden und auf der Donauinsel selbst von Kilometer 2,1 bis Kilometer 5,1 die Augen nicht zu sehr umherschweifen lassen, denn hier befindet sich eine der im Sommer sehr stark frequentierten FKK-Zonen. Auf Höhe Kagran bzw. Knoten Kaisermühlen wird es dann mit der Freestyle und Border-Wasserrampe und dem Wakeboard-Lift sportlich. Ab der Reichsbrücke beginnt auf beiden Seiten die Copa Cagrana, eine Ess- und Amüsiermeile – die aber auch schon bessere Zeiten gesehen hat. Auf Höhe Brigittenau ankert das Schulschiff des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums, auf der großen Wiese auf der gegenüberliegenden Seite kann man bei gutem Wind Kitesurfer bei ihrem Trockenübungen zuschauen. Ab Kilometer 17,7 bis Kilometer 19,5 dürfen wieder die Nackerbatzl regieren, bevor die Donauinsel dann in meinem Lieblingsabschnitt in die Donau versinkt. Hier gibt es viele kleine Sandstrände zum Baden und Sonnenliegen, besonders am letzten Zipfel – bereits auf Höhe Klosterneuburg – kann man auf Steinen sitzend wunderbar die Donaudampfschiffe bei ihrem Weg die Donau hinauf beobachten.

Wien-Bratislava
Der Klassiker unter den Wiener Radausflügen, aber nichtsdestrotz einer meiner Favoriten. Flach wie Holland – bis auf einen kleinen Anstieg bei Hainburg – fährt man zuerst entlang der Donauinsel, dann an den – übrigens sehr besuchenswerten – Donauauen (siehe Foto) vorbei und dann rund 17 Kilometer wirklich schnurgerade auf einem Damm nach Hainburg und weiter bis direkt in das Stadtgebiet von Bratislava. Diese Tour ist nicht nur landschaftlich interessant, sondern führt eben direkt in das nette Städtchen Bratislava, für dessen Erkundung man sich unbedingt Zeit nehmen sollte. Für die Rückfahrt eignet sich der Twin-City-Liner oder (weitaus billiger) ein Zug der ÖBB. Die Route zum Nachfahren hier.

Radtour um den Neusiedlersee
Ebenfalls ein Klassiker, für den man aber ein Auto braucht. Für die rund 100 Kilometer rund um den österreichischen Teil des Neusiedlersees startet man am besten in Podersdorf oder Neusiedl, um die Besuchermassen an diesen beliebten Badeorten gleich hinter sich zu lassen. Die Route führt durch das wunderschöne Naturschutzgebiet mit seinen Schilfhainen und – nachdem man bei Illmitz mit der Radfähre nach Mörbisch übersetzt hat – vorbei an malerischen Weindörfern (siehe Foto) sowie Sonnenblumen- und Weizenfelder. Im Sommer kann die Strecke schon recht schweißtreibend und sonnenbrandfördernd sein, weil man Schatten hier vergeblich sucht – also lieber schon frühmorgens beginnen. Die gesamte Route zum Nachfahren hier.

Ausgedehnter Spaziergang im Lainzer Tiergarten
Ein Stück nahezu unberührter Natur findet sich im Westen von Wien, der Lainzer Tiergarten. Seine gesamte Fläche umfasst 2.450 Hektar – 1.945 Hektar davon entfallen auf die Waldfläche. Es ist der einzige „Park“ in Wien, bei dem man nicht schon von weitem sein Ende sieht, Autos hört und sogar die Möglichkeit besteht, statt Hunden z.B. ein Wildschwein oder ein Reh zu sehen. Der Tiergarten ist nur zum Teil öffentlich zugänglich, für einen ausgedehnten Spaziergang reicht es aber durchaus (wir hätten uns im Winter fast einmal dort verlaufen). Die ehemaligen kaiserlichen Jagdgründe verfügen auch über ein herrschaftliches Haus – die Hermesvilla – von dem es heißt, es sei Kaiserin Elisabeths liebster Rückzugsort gewesen – was ich nach einem Lokalaugenschein gut nachvollziehen kann. Der Besuch des Lainzer Tiergarten lohnt sich zu jeder Jahreszeit, er ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto zu erreichen.

Burg Kreuzenstein
Ein Tipp ohne sportlichen Hintergrund, der sich aber ausgezeichnet für einen Familienausflug mit Kindern eignet. Die Burg Kreuzenstein ist ein Kuriosum rund eine halbe Autostunde entfernt von Wien: Bis zum 12. Jahrhundert ist belegt, dass auf einer Anhöhe über Leobendorf eine Burg stand, die aber im Dreißigjährigen Krieg von den Schweden in Trümmer gesprengt wurde. Der österreichische Polarforscher und Mäzen Johann Nepomuk Wilczek – ein Mittelalterfan vor dem Herrn – baute ab 1874 an derselben Stelle schrittweise eine Schauburg auf, in die er die vorhandenen Reste der mittelalterlichen Burg einbezog und stattete sie mit Sammlerstücken aus ganz Europa aus. Heute ist die Burg Kreuzenstein für Interessierte eine interessante Reise ins Mittelalter und diehnt auch als Filmkulisse (z.B. für Die drei Musketiere, Der letzte Tempelritter, Die Säulen der Erde).

1. Bezirk-Runde und Stephansdom
Perfekt für einen kurzen Spaziergang, wenn am Wochenende wieder einmal viel zu tun ist. Der erste Bezirk ist der älteste Teil von Wien und seine vielen kleinen Gassen abseits der Touristenpfade eignen sich für eine Entdeckungstour, auf denen ich auch nach sechs Jahren noch Neues entdecke. Und weil der Blick von oben immer vieles relativiert, empfehle ich einen abschließenden Aufstieg auf einen der Türme des Stephansdomes.

Praterrunde
Die Praterrunde fällt in dieselbe Kategorie wie die 1.Bezirk-Runde und ist ein Mittelding zwischen Lainzer Tiergarten und einem „normalen“ Park in Wien, denn der Wiener Prater ist weit mehr als der Vergnügungspark (vulgo Würstelprater). Auf etwa sechs Quadratkilometer erstreckt sich eine schöne Parklandschaft mit bewaldeten Flächen, großen Wiesen – wie zum Beispiel die Jesuitenwiese, die auch einen tollen Kinderspielplatz und im Winter sogar einen beschneiten (!!) Rodelhügel vorweisen kann – und nett angelegten Teichen. Auch hier gilt: Wer nicht gerade auf der Prater Hauptallee zwischen Jogger, Radelfahren und Skatern spazieren will, sucht sich abseits davon ruhige Wege – zum Beispiel ab dem Ernst-Happel-Stadion zu Lusthaus und Galopprennbahn Freudenau.

Für alle die gerade erst nach Wien gekommen sind oder Inspirationen für Ausflüge, Shopping, Kultur und Essen suchen, empfehle ich sehr die wöchentlichen Newsletter der Stadtspionin. In diesem Sinne: Viel Spaß und Freude in Wien, ich hatte es auf alle Fälle!

Quelle Artikelfoto: Alle eigene, außer Lainzer Tiergarten, Wiener Prater und Burg Kreuzenstein
Hauptbild: Ein Ausflaufmodell wie ich in Wien, der Südbahnhof – Fotoquelle


Veronika

Veronika Höflehner ist freie Journalistin und Autorin, die es vor zwei Jahren in die Berge verschlagen hat. Neben interessanten Fundstücken aus dem Netz findet man hier Texte zu ihrem Leben als Stadtmensch in den Schladminger Tauern.


4 comments

  • Mela

    19. November 2012 at 11:39

    Oh spanned, letzte Woche! Zeit, sentimental zu werden – das kenn ich noch von mir 🙂 Ich wünsch dir eine tolle letzte Woche in Wien und euch alles, alles Gute für den Umzug und ein gutes Einleben! Freu mich auf erste Berichte aus der neuen Heimat!

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  • Stefan

    19. November 2012 at 18:46

    Spitzeneintrag!!!! So oft raus wie möglich auch im Winter und natürlich gut verpackt!

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  • Ronni

    19. November 2012 at 19:47

    @mela vielen Dank! Na wenn es mir so wie dir geht, dass passt ja alles 🙂

    @stefan freut mich, dass er gefällt :))

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