Tratschküche Arbeit: Wo die weibliche Karriere scheitert

In: Stadtleben

Ich gehöre zu einer Generation von Frauen, die mit dem Recht lebt, jedem klar ihre Meinung sagen zu dürfen: Das gilt sowohl für die Wahlkabine, als auch am Arbeitsplatz und in der Familie. Nur: Warum macht es dann keine?

businesswomenDer Krankenbesuch einer ganz besonderen Frau hat mich auf das leidige Thema Emanzipation, Teamarbeit und Karriere gebracht. Was sie mir über Tee und Keksen erzählt hat, geschieht tagtäglich in vielen Büros, Fabrikshallen oder Redaktionen. Ein große Gruppe von Frauen arbeiten zusammen, es gibt Alteingesessene, solche, die es sich langsam gemütlich machen und jene, die sich erst ganz kurz im Beruf bewegen. Zu letzeren gehört mein Krankenbesuch.

Zuerst untereinander ausrichten und dann über andere ausrichten lassen
Was sie gemeinsam mit ihrer ebenso jungen Arbeitskollegin/Freundin erlebt hat, ist ein typisches Frauenproblem: Die engagierte Junge macht einen Formfehler, ein Termin wird falsch notiert. Die Alteingessesenen sind empört. Statt sie nun einfach persönlich auf den Fehler aufmerksam zu machen, beschweren sie sich zuerst untereinander über diese furchtbare Person, um dann aufgeschaukelt zum Vorgesetzten mit der Bemerkung „Sie ist nicht verlässlich und vergisst ständig Termine“ zu dackeln. Zudem wird meinem Krankenbesuch gesagt, sie solle der Wurzel allen Übels (die dazu noch im Krankenstand war) ausrichten, was sie nun alles falsch gemacht habe und das nächste Mal besser machen solle. Das nenne ich „ausrichten“ vom Feinsten. Und das ist typisch Frau.

Kleine Ausschweifung zur Erklärung: Ich bin froh über die Rechte der Frauen, ich verlange Glechberechtigung, gleiche Bezahlung und gleiche Pflichten für Frauen und Männer. Ich gebe leidenschaftlich gerne allzu konservativen Ansichten kontra. Doch was ich bisher in meinem Berufsleben gesehen habe, läßt mich besser verstehen, warum so wenig Frauen Karriere machen. (Lustigerweise sind genau in den Einstiegsstufen des Journalismus unglaublich viele junge Frauen zu Gange. Je näher es dem Ende der Karriereleiter geht, desto geringer wird diese Zahl.)

Keine klaren Grenzen, keine klare Meinung
Ich frage mich immer, warum so viele Leute in ihre Lebensläufe die Eigenschaft „guter Teamplayer“ hineindichten. Nach meinen Erfahrungen ist ein Großteil der Menschen genau das nicht. Gerade Frauen verstehen darunter meist, dass sie sich mit allen gut verstehen müssen – um jeden Preis. Das große Problem damit: Sie setzen keine klaren Grenzen. Frauen wollen sich vorneweg mit allen verstehen, nur hinter dem Rücken des jeweils anderen wird ganz klar, was sie eigentlich gut finden und was nicht. Sie sagen nicht, was sie selbst wollen und was sie von anderen verlangen. Wie soll man denn mit so jemand Unberechenbaren zusammenarbeiten, geschweige denn als Vorgesetzen richtig (ein-)schätzen?

Mich wundert es nicht, dass soviele Frauen nicht über den Assistenz-Posten, die Sekretärinnen-Stelle oder den einfache Angestellen-Status hinauskommen. Auch wenn es sich dabei nur um einen Aspekt handelt – neben schlechter Kinderbetreuung, Work-Live-Balance, keinen Ambitionen, keiner Förderung, unterschiedlicher Erziehung und vielem mehr. Meine Meinung: Klare Grenzen öffnen die Karriereleiter. Und Offenheit macht daneben auch mehr Spaß am Arbeiten.

Bildquelle © Christoph Wilhelm/zefa/Corbis


Veronika

Veronika Höflehner ist freie Journalistin und Autorin, die es vor zwei Jahren in die Berge verschlagen hat. Neben interessanten Fundstücken aus dem Netz findet man hier Texte zu ihrem Leben als Stadtmensch in den Schladminger Tauern.


4 comments

  • bri.

    6. April 2009 at 23:09

    ich arbeite auch nicht gerne mit frauen zusammen – weil ich mir dann stundenlange gespräche über schuhe kaufen im internet anhören muss, aber keiner den kick vom letzten abend gesehen hat. 🙂
    aber spaß beiseite – ich glaub diesen faktor überschätzt du vielleicht. wie ich es immer öfter erlebe, laufen karriereleitern niemals offen und direkt – unglaublich was irgendwo irgendwie ausgemacht wird. und da hilft es dann glaub ich auch nicht weiter, wenn frau sich den männlichen strukturen möglichst anpasst.
    und auch wenn es viele nicht mehr gern hören: aber dass es z.b. an der uni fast ausschließlich männer an die spitze schaffen, liegt nicht an der unfähigkeit der frauen. da hab ich schon geschichten gehört, dass es wirklich „die sau graust“.
    das von dir beschriebene phänomen kann ich aber trotzdem nachvollziehen. solche frauen häufen sich anscheinend in bestimmten branchen – ich habe das glück, mich in anderen zu bewegen. gute frauennetzwerke gibt es tatsächlich.
    grundsätzlich ist mir aber auch die bei männern häufiger anzutreffende art lieber: unkompliziertheit, nicht so viel small talk und keine emotionalen zwangs-freundschaften.

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  • Ronni

    7. April 2009 at 07:22

    Hm, das stimmt mich doch wirklich positiv, wenn es sowas auch gibt…vor allem für die weitere Zukunft! das mit den seilschaften stimmt sicher, hab ich auch schon von vielen seiten gehört. Aber es ist eben auch nicht nur alleine das…

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  • Karrierebibel

    7. April 2009 at 19:53

    Ich glaube (und ja, ich bin da geschlechtsbedingt befangen), dass es weniger die Männer sind, die die Frauen ausbremsen, sondern oft die Frauen selbst. Statt sich gegenseitig zu unterstützen und auch mit den Männern zu verbrüdern, erlebe ich ganz oft wie sie sich eher gegenseiig bekriegen. Männer machen das zwar auch, aber bei weitem nicht in dieser Vielschichtigkeit. Und sie sind nachtragender. Beides zusammen verhindert das Ausmaß an Vitamin B, das Männern beim Aufstieg zur Verfügung steht.

    Das ist freilich nur eine grobe Analyse und auch nur ein Aspekt. Ein unbequemer ist es dazu – aber es ist zumindest meine Beobachtung.

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  • Ronni

    8. April 2009 at 07:42

    Das ist sicher auch ein Aspekt, der absolut zutrifft. Im Endeffekt ist es eine Mischung aus all diesen Gründen, sonst hätte sich ja schon längst mehr getan…Die Frage ist nur, ob das immer so bleibt, oder ob es sich einfach nur sehr langsam in die richtige Richtung entwickelt?

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