Zeitungsverbot in der U-Bahn

In: Stadtleben

Ich bin ein absoluter Fan von Belanglosigkeitsschützern in der Öffentlichkeit. Ein Morgen in der U-Bahn ist für jeden Großstadtmenschen ein mehr oder minder großer Eingriff in die Privatsphäre – kommt darauf an, wie sehr man es mit fremden Menschen gern kuschelig hat.

ubahnzeitungIch bin mir nicht sicher, wieviele persönliche Details ich von meinen Mitfahrenden versäumt habe, denn ohne meine Kopfhörer und die Zeitung gehe ich nicht freiwillig in den Untergrund. Bei der Wahl für einen von drei Sinnen (ausgenommen sind Tasten und Schmecken, ersteres ist als Festhalten zu gewissen Zeiten nützlich und zweiteres gilt nur dann, wenn jemand gern am U-Bahnsitz leckt) habe ich mich entschieden, Wien in seiner ganzen olfaktorischen Pracht zu erleben. Möglicherweise ändert sich das noch und ich werde auf Nasenklammern statt Ohrenstöpsel umsatteln.

Nehmt den Kindern die Zeitung weg!
So eine Zeitung in der U-Bahn ist ja kein wirklich praktisches Ding. Außer man lebt in Wien und bekommt etwas, dass sich Information schimpft, gratis nachgeworfen. Auch wenn ich furchtbar spießig klinge, aber es entsetzt mich jeden Tag, wieviele Schulkinder in diversem Kleinblättrigen vertieft sind. Ich hoffe ja darauf, dass Erwachsene die Berichterstattung zumindest zu einem Teil einordnen können (ich selbst bin ja auch dem Trash nicht abgeneigt, obwohl ich bei diesen Zeitungen fast aus Prinzip passen muss), aber wie sollen Kinder das ohne Rezeptionsunterricht tun? Ich wünschte mir, es gäbe für diese Blätter zumindest einen Jugendschutz…

Aber zurück zum Unpraktischen: In Tokio spricht sich die U-Bahngesellschaft offen gegen das Zeitungslesen in Waggons aus. Und pflichtgetreu wie die Japaner sind, werden sie dem wahrscheinlich auch nachkommen. Ich finde das ziemlich schlimm. Die einzige Ausnahme, die ich auch in Wien akzeptieren könnte: Dass eine solche Aufforderung nur für Belastungen im Kleinformat gilt.

via Medienlese


Veronika

Veronika Höflehner ist freie Journalistin und Autorin, die es vor zwei Jahren in die Berge verschlagen hat. Neben interessanten Fundstücken aus dem Netz findet man hier Texte zu ihrem Leben als Stadtmensch in den Schladminger Tauern.


4 comments

  • Peter

    23. April 2009 at 13:58

    Wie ich die Japaner einschätze, werden sie ganz einfach auf eBooks umsatteln bzw. ihr Handy auch noch zum Zeitung lesen nutzen.

    p.s.: U-Bahn ohne Kopfhörer geht gar nicht und die Gratis-„Zeitungen“ taugen maximal zum Aufklauben von Wiens Hundstrümmerl, was leider wieder niemand macht! 😉

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  • Ronni

    23. April 2009 at 15:26

    ach, dass ist doch nicht das gleiche! die gute alte zeitung muss leben!
    man könnte den spruch ja umtexten: „nimm ein heute/österreich für dein gackerl“, vielleicht hilfts was… *gg*

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  • grr

    7. Mai 2009 at 06:02

    ich sag ja immer wieder:

    Menschlichkeit durch Medienkompetenz

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