Erkenntnisse einer Spammerin

In: Wunderbare WWW-Welt

Wie ich zum Spammer wurde und daraus – fast katholisch – etwas Positives gewinnen konnte

Während ich mich am Dienstagabend wieder einmal ob einer Literaturverfilmung zwei Stunden lang im Kino grün und blau geärgert habe (der Mensch lernt wirklich nicht aus Vorhergegangenem, da haben wir es wieder) wurde mit meinem Gmail-Account Schabernack der eher unerfreulichen Sorte getrieben.

Trotz hauseigenem IT-Consultant weiß ich nicht, wie diese Damen oder Herren mein als „stark“ eingeordnetes Passwort aus Sonderzeichen, Buchstaben und Zahlen geknackt haben. Zumindest habe ich an alle meine rund 300 Kontakte in diesem Account keine Werbung für Verlängerndes unter dem Hüftbereich gemacht, sondern für ein Elektronik-Verkaufsportal. Danke an dieser Stelle an die werten Spammer.

Anruf, Twitter-DM und jede Menge Mails

Neben der Lehre, meine gesamten Geschäftsontakte nicht mehr online zu speichern, hat diese Episode durchaus positive Nebeneffekte. Was da als Response zurückgekommen ist, war eine wundervolle Studie meiner Kommunikationspartner, wie ich sie wohl sonst nie erfahren hätte. Ich wurde sofort via Direct Messages von fünf Leuten auf Twitter über mein gekracktes Konto informiert, einer nahm dafür sogar sein Telefon in die Hand.

Nachdem ich zu später Stunde ein Entschuldigungsmail ausgeschickt habe, trudelten noch bis ca 00.30 Uhr Antworten ein – wohlgemerkt nahezu ausschließlich von der Geek-Girl-Runde – womit diese ihrem Namen wieder gerecht wurden. Sie nahmen meinen Gang unter die Spammer im Gegensatz zu so manchem Geschäftspartner sehr lustig auf.

Anschuldigungen machen die Runde

Denn von denen wollte einer noch im Nachhinein wissen, warum ich überhaupt so sicher sei, direkt an ihn ein solches Mail verschickt zu haben. (Bin ich nicht vielleicht doch wissentlich unter die Spam-Verschicker gegangen?) Außerdem weiß ich jetzt auch, dass die Spamfilter des ORF, der APA und der Presse ausgezeichnet funktionieren. Zusätzlich zu dieser wundervollen Erkenntnis bekam ich auch einige sehr nette Mails von Bekannten und Freunden, die ich schon länger nicht mehr gesprochen hatte.

Vielleicht steckt hinter solchen Spamattacken mit gecrackten Konten gar eine zwischenmenschliche Mission, die uns daran erinnern soll, öfter zu kommunizieren? Oder war es doch die Herbalife-Mafia, die sich nach meinem Beitrag mit der Technologie aus dem Jahre 2016 rächte?


Veronika

Veronika Höflehner ist freie Journalistin und Autorin, die es vor zwei Jahren in die Berge verschlagen hat. Neben interessanten Fundstücken aus dem Netz findet man hier Texte zu ihrem Leben als Stadtmensch in den Schladminger Tauern.


2 comments

  • Jürgen Liechtenecker

    20. Februar 2009 at 14:06

    ach du scheisse das ist ja übel! vor sowas hab ich immer schiss, deswegen lege ich immer meinen rechner lahm, mit duzent internet security und firewalls gaxisoftware. hoffentlich konntest du den schaden begrenzen.

    Antworten

  • Ronni

    20. Februar 2009 at 15:13

    Danke, es ist nichts mehr Schlimmeres als schon im Post beschreiben nachgekommen, hoffe das bleibt so! Vielleicht sollte ich mal ein anderes Security-Programm ausprobieren….

    Antworten

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